Einfach leben – Ausgabe 14: Jung, politisch und engagiert - warum sich junge Menschen einmischen
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Corinna: Herzlich willkommen zur 14. Ausgabe.
Alf: Echt? 14.
Corinna: Ja, erst wir haben drei Monate pausiert. Wir haben die Weihnachtsfeier haben wir verlängert irgendwie... Das letzte Mal haben wir im November aufgenommen. Da hatten wir Petra Moske und Elisabeth Schuh da. Wer da noch mal reinhören mö Das sind zwei Frauen, gute Freundinnen seit vielen Jahrzehnten, die sich um Familien mit beeinträchtigten Kindern sehr verdient gemacht haben heute. Aber bevor ich das Wir sind einfach Leben aus Trier für alle. Ich bin Corinna Rüffer, Abgeordnete und rechts neben mir, der rumpelt mich.
Alf: Ich bin der Alf. Ich bin der Alf Keilen. Ich bin der Nachtwächter von Trier. Das ist aber nicht meine Hauptaufgabe, aber ich mache es trotzdem gerne. Corinna, wie steigen wir heute am besten mit den ganz, ganz jungen Leuten ein?
Corinna: Ne, wir machen erst mal was anderes. Ich habe nämlich gehört, dass man aus archivarischen Gründen muss man sagen, Heute ist der 18. Welcher Monat? Februar, Februar, Welche Uhrzeit? Muss ich auch mal gucken. 10 Uhr 19 und die Aufnahme findet bei mir im Wohnzimmer statt. Das soll man sagen, damit die zukünftigen Hörerinnen das noch mal einordnen können. Das Jahr ist 2026 und es ist Aschermittwoch. Es ist Aschermittwoch und keiner von uns
hat das Aschekreuz auf der Stirn.
Ja, und deswegen sind wir alle auch ein bisschen verwirrt noch.
Ja, wenn ich in die Gesichter schaue. Ja, hier wurde offensichtlich viel Fasnacht gefeiert in den letzten Tagen.
Absolut, absolut. So, und wir haben heute zwei tolle Gäste am Tisch, oder Thomas Nick mal unsere Technik am Start. Wir hatten gerade schon ein bisschen Probleme mit Wacklern und so, aber jetzt scheint alles super zu gehen. Wir haben zwei Gäste, Cora Merzbach und Fabian Frank. Und ich hätte jetzt gerne, dass Alf mal. Warum haben wir die beiden eingeladen, Weil
sie so jung sind? Nein, natürlich nicht. Wir wollten einfach mal wissen, wie junge Leute heute so mit Politik umgehen, was sie zur Politik treibt und vor allen Dingen, wie sie zu uns Alten stehen und wie sie sich die Zukunft ihres Lebens vorstellen in einer gesunden und lebenswerten Umwelt einfach leben. Das ist unser Thema. Das ist auch das Thema, mit dem wir euch jetzt konfrontieren.
Willst du die erste Frage stellen?
Ja, ich schaue in die jungen Gesichter hier. Die Cora Merzbach, die sitzt hier direkt neben mir und schreibt hier heftig. Cora, kannst du uns mal erzählen, wo du genau herkommst.
Ja, ich komme aus der Nähe Koblenz, bin aber fürs Studium nach Trier gezogen und studiere da seit 2024 habe mit Sozialwissenschaften angefangen und bin jetzt gewechselt zu Politikwissenschaften und Soziologie.
Cora ist die Bundessprecherin, ich sag das richtig, der Campusgrün Deutschland und ist aus Trier. Das ist also schon sonderbar, dass man aus Trier jemanden bis in den Bundesvorstand von Campusgrün bekommt. Ich habe mich gar nicht so verortet in Trier. Immerhin war Ricarda Lang auch mal Bundessprecherin.
Wusstest du das?
Ja, tatsächlich schon.
Ja, ist schon ein paar Jahre her. Die gehört nämlich nicht zur Generation Z oder wie sagt man? Jean Z. Hört sich irgendwie.
Ralf, du darfst das sagen, wie du willst.
Und auf der anderen Seite vom Tisch sitzt der Fabian Frank, der ist nicht ganz so hoch verortet in der politischen Gewalt, sondern ist der Sprecher der Grünen Jugend in Trier und auch beim Campusgrün engagiert. Fabian wo kommst du her? Was treibt dich nach Trier und wie gefällt es dir hier?
Also ich komme von der Untermosel, auch näher Koblenz
2 K.
Das kann kein Zufall sein.
Nein, das ist kein Zufall.
Also ich komme von der Untermosel, Landkreis Mayen Koblenz. Zur Schule gegangen bin ich in Koblenz und nach der Schule bin ich dann fürs Studium nach Trier gezogen. Ich hab angefangen mit Lehramt Sozialkunde und Deutsch, aber habe dann nach einem Semester gemerkt, dass ich mich doch mehr rein mit dem Fach Politikwissenschaft konzentrieren möchte und habe dann noch Öffentliches Recht im Nebenfach.
Öffentliches Recht im Nebenfach.
Corinna was soll man dazu sagen?
Nein, beides ist beides ist zwei Politikwissenschaftsstudierende am Tisch. Das habe ich noch nie gehabt. Also erzählt mir mal doch ganz einfach, was macht man in Politikwissenschaften? Also ich bin von Hause aus Geograf. Wir haben uns nur mit handfesten Dingen beschäftigt. Und womit kann man sich in der Politik beschäftigen? Was hat euch dazu getrieben, so politisch aktiv zu werden in euren jungen Jahren? Darf man fragen, wie alt die beiden sind?
Ja, die Generation hast du ja schon verraten. Die können das ja entscheiden, ob sie
beide weiß ich nach 2000 geboren.
Ja, also ich bin er und bin jetzt 24.
Und du?
Ich bin 2004 und 21 Jahre alt.
Passt
also sollen wir das mal abräumen? Gerade und ihr erzählt mal so ein bisschen, warum interessiert euch die Politikwissenschaft? Also was hat euch dahin getrieben? Ihr habt das ja sehr bewusst gemacht nach einer Erfahrung an der Uni vorher schon.
Ja, also mein erstes Studienfach habe ich angefangen. Das war recht spontan. Also ich habe mir nicht so lange darüber Gedanken gemacht, was ich studieren soll. Ich habe einfach überlegt nach der Schule, dass ich okay, ich schaue mir die Uni erstmal an, guck vor Ort, was interessiert mich, was würde ich gerne machen und habe mich dann für Politikwissenschaften erst später entschieden. Ich habe tatsächlich in ein paar Fächer reingeschaut zu dem Zeitpunkt, als ich Sozialwissenschaften noch studiert habe. Ich bin in die eigentlichen Vorlesungen gegangen von Sozialwissenschaften und habe dann gesagt, okay, das ist es vielleicht nicht so ganz und bin dann so ein bisschen durch die Vorlesung durchgeskippt und hab Damals fand ich internationale Beziehungen super spannend und bin aufgrund dessen auch immer wieder in die POVI Vorlesungen gegangen und habe dann später entschieden, dass ich das auch studieren möchte. Ja, also ich muss auch sagen, in der Oberstufe habe ich Politik tatsächlich abgewählt. Also das ist ganz wild, weil die meisten Leute, die das studieren, die hatten das dann auch irgendwie in LK oder zumindest noch in einem Grundkurs beibehalten. Ich habe das aber abgewählt. Das war nicht, weil damals kein Interesse da war. Also das Interesse war schon immer da, also auch schon viel, viel früher, aber ich war mir nicht sicher, ob ich das hinbekommen würde. Ich war da irgendwie, glaube ich, eingeschüchtert von diesen ganzen anderen Leuten, die dann mit sehr, sehr viel Wissen auch reingegangen sind. Und dann habe ich das erst nicht gemacht und an der Uni dachte aber, ich will es eigentlich schon machen, es interessiert mich und ich dachte, ich probiere es einfach und ich glaube, das war auch eine gute Entscheidung. Also ich fühle mich jetzt sehr wohl da im Studium und auch im politischen Kontext. Ja, das war nicht immer so tatsächlich.
Fabian ist bei dir so ähnlich, ne?
Also ich hab schon in der Schule eigentlich gemerkt, dass Politik mir super viel Spaß macht. Also das war, sobald ich das eigentlich in der Schule hatte, mein Lieblingsfach. Dann war klar, dass ich das auch als LK nehme. Und im Leistungskurs bestand sehr viel immer übers Debattieren über sehr aktuelle politische Themen. Und dann, da ich grundsätzlich ganz gerne geredet habe in der Schule, hat man sich dann halt schon auch viel mit den Themen befasst, einfach um. Das war schon fast ein Debattierclub, sagt man glaube ich dazu.
Genau.
Und nach der Schule hatte ich ja dann noch ein FSJ in Kenia gemacht und da hat man dann schon auch noch mal eine größere Entschuldigung, darüber möchte
ich gleich noch mehr hören, über das FSJ in Kenia, aber erzähl ruhig mal weiter.
Ja, und da hat man dann schon erstmal gemerkt, wie eine größere Ordnung auf der Welt eigentlich besteht. Das hatte ich vorher so noch nicht erkannt und das hat mich dann schon interessiert. Und dann, als ich zurückkam, war mir schon klar, dass ich Politikwissenschaften studiert. Dann war mir aber eben, weil ich ursprünglich dann dachte, eher als Lehrer, dass ich das gerne als Lehrer machen möchte, aber das Nebenfach Germanistik war da nicht so meins. Und genau.
Gut, Kenia, das ist jetzt ein Stichwort gefallen. Du warst ein Jahr in Kenia, elf Monate, elf Monate. Und mit welcher Gesellschaft bist du dahin?
Mit AFS heißt die Organisation, das war das Weltwerksprogramm.
Ja. Und was war deine Aufgabe oder wo rein hast du blicken dürfen?
Also ich war in der Primary School, also in der Grundschule und da waren meine Aufgaben aber vor allem Küchenarbeit, also ganz viel Kartoffeln schälen und Essen helfen zubereiten.
Ja, verlassen wir mal Kenia und gehen wir auf eure Geschichte so ein. Ich hätte von der Cora gerne gewusst, wie sie, du hast uns erzählt, wie du zur Politik gekommen bist, also auf dem Umweg über eine Kreuzung muss ich entscheiden. Und wie kommt es, dass man dann auf die Schnelle zur Bundesvorsitzenden von Krampusgrün kommt? Das finde ich also schon enorm. Vor zwei Jahren kamst du aus der Schule politisch unbeleckt, hast dich interessiert und jetzt bist du völlig politisch. Das ist doch ein.
Sie hat gesagt, sie war immer schon politisch.
Ja, das ist richtig, aber sie hat es abgewählt.
Das ist richtig. Ich habe es abgewählt, aber ich war schon immer auf Demos war ich eigentlich fast immer vertreten. Wenn was bei uns vor Ort war, war mir schon immer wichtig. Ich weiß noch, in der fünften Klasse oder so, da war mir Tierrecht sehr wichtig. Ich habe mich da sehr, sehr viel mit dem Reitsport beschäftigt und habe auch da fünfte, sechste Klasse angefangen hart zu kritisieren, also an gewissen Stellen auf jeden Fall. Und habe auch da in unserer Klasse versucht, irgendwas zu bewegen. Das hat damals nicht so gut geklappt, aber das Interesse war auf jeden Fall immer da. Und als dann die Schulzeit vorbei war und die erste Woche war, bin ich tatsächlich direkt zu den politischen Listen gegangen und habe mir die angeguckt. Und damit hat mir Campus Grün gefallen. Damals saß da ein veganer Mensch an unserem Stand und ich muss sagen, da habe ich mich total, total wohlgefühlt, weil mir das ein sehr, sehr wichtiges Thema ist, Tierrecht und auch Veganismus. Mir ist es einfach sehr wichtig. Und ich muss sagen, wir hatten dann ein sehr, sehr gutes Gespräch auch und dadurch bin ich auch zu Campusgrün gekommen. In der ersten Phase haben die Treffen leider immer so stattgefunden, dass ich nicht konnte und habe dann immer still mitgelesen und dann auch gelegentlich mal meine Meinung dazu gesagt. Das war nie so aktiv tatsächlich. Und irgendwann ist dann eine Person auf mich zugekommen von Campus Grün und meinte, also von Trier noch und meinte, wir brauchen einen neuen Vorstand, die Leute verlassen uns alle, also wegen Abschlüssen, weil die weitermachen. Und ich muss sagen, ich war zu dem Zeitpunkt auf keinem einzigen Treffen. Ich war dann da und es war eine sehr, sehr nette Atmosphäre. Es war sehr, sehr klein. Es waren so drei Leute, glaube ich, da in Person. Eine Person hatte sich per Telefon dazu geschaltet, aber auch wirklich nur per Anruf. Es war alles so eine, ja, ein bisschen süß, aber chaotische Gruppe. Ich habe das dann auch gemacht. Also ich habe mich dann als Sprecherin von Campus Grün Trier auch wählen lassen. Ja, das war dann aber ein sehr schleppender Prozess. Wir hatten keine regelmäßigen Treffen oder so, das gab es alles nicht. Und irgendwann haben wir das dann wirklich mal angepackt und hatten dann auch zwei wöchige Treffen, also jedes alle zwei Wochen Treffen und haben dann auch angefangen, wirklich mal was zu planen. Und dann hatten wir auch mal so versucht, ein paar Events zu planen. Dadurch kam auch die Nachtwächter Tour bei dir, Alf. Es war im Zuge dessen auch und die Hoffnung damals war, dass wir mehr Mitglieder bekommen, weil das war immer schon eine ganz knappe Sache. Und ja, dann gab es irgendwann noch mal Neuwahlen. Ich muss sagen, ich hatte sehr viel Spaß dabei und habe gesagt, okay, ich würde es gerne noch mal machen. Immer noch in Trier. Genau. Und dann hatten wir auch, irgendwann kamen dann endlich Leute mit einer O Woche, die meines Erachtens sehr gut lief. Da kam ein ganzer Schwung neuer Leute und ich muss sagen, bei dem ersten Treffen, da waren leider viele von uns eigentlichen Mitgliedern nicht da. Das heißt, mehr oder minder lief das Treffen mit mir, meinem Freund, der dann mehr oder minder die Technik gemacht hat, weil wir so ein Quiz vorbereitet hatten mit How to hopon, so eine kleine Einführung, wie funktioniert die Hochschulpolitik, was macht der AStA, was macht StuPa, was für Referate gibt es, wie könnt ihr euch niederschwellig beteiligen, wie könnt ihr euch echt einbringen? Also so ein Quiz dazu hatten wir und er hat es damals angeworfen und weil alle neu waren, hatten die damals, glaube ich, nicht so den Überblick, dass alle tatsächlich jetzt neu waren. Und die sind dann auch fast alle geblieben. Und es ist eine super, super süße Runde und ganz, ganz, ganz, ganz tolle Menschen, die wir jetzt da haben. Und ich bin sehr, sehr froh, dass sich das so toll entwickelt hat. Und wir wurden dann auch von dem alten Bundesvorstand auf ein, also die haben ein Seminar organisiert und wir hatten davon nicht so viel mit dem Bundesvorstand zu tun. Wir waren auf einer BMV von denen, aber so, es war immer so eine ferne Geschichte. Also man hat dann in den Mails mal eine Pressemitteilung von denen bekommen und so, die machen auch irgendwas, aber so genau einen Einblick hatte man, hatte man nicht so wirklich. Und dann auf dem Seminar, da haben wir dann davon mitbekommen und sind dann auch nach Berlin gefahren und haben es ging um Rechtsdruck auch und spezifisch auch in Ostdeutschland und es war super spannend das Seminar. Aber genau dadurch sind wir so als Campus Grün Trier noch mal ein bisschen näher zum Bundesvorstand gerückt und da habe ich auch von der Neuwahl mitbekommen, also dass das jetzt neu gewählt wird. Und ja, so kam das eigentlich.
Darf ich mal eine Frage stellen? In welchem Verhältnis steht Campus Grün zur Grünen Partei?
Also ich würde uns schon als, also das war eine Frage, die wir uns sehr lange auch gestellt haben und uns war eigentlich wichtig, dass wir bei Campus Grün auch die Möglichkeit schaffen, für Menschen einen Raum zu schaffen, die nicht unbedingt so der Partei nah sind. Das hat sich dann aber auch so ergeben, weil wir natürlich auch die Grüne Jugend haben, dass wir sehr, sehr viele Mitglieder haben, die entweder bei campusgrün anfingen und dann auch Lust auf die Grüne Jugend hatten oder erst bei der Grünen Jugend waren und dann, als sie jetzt an die Universität gekommen sind, eben zum zur Hochschulgruppe dazu gestoßen sind. Und deswegen ist es aufgrund von unseren Mitgliedern, die vor allem auch die meisten auch Parteimitglied der Grünen sind, ist da auf jeden Fall eine starke Nähe.
Aber hier ist halt keine Gliederung der Partei oder so
werden aber also der Vorstand der Grünen hier in Trier, die finanzieren uns auch mit.
Die wären ja auch dumm, wenn sie es nicht machen würden. Das muss man ja mal sagen. Also damit die Hörerinnen das verstehen, Es gibt die Grüne Jugend. Ab wann kann man da Mitglied werden? Wie alt muss Man da sein? 14, glaube ich, oder? Ich glaube, es gibt sogar gar keine Altersbegrenzung. Das ist nämlich typisch für die anderen. Und ich glaube, bei der Grünen Jugend kann man, wenn man möchte, zu jedem Zeitpunkt. Aber wie alt sind denn, ihr seid ja auch bei der Grünen Jugend. Also wie ist da denn so der Altersdurchschnitt und wie viele seid ihr?
Also ich hab so ein bisschen das Gefühl, dass es sehr viele sind. Ist das so?
Also wir sind schon so um die, ich würde sagen fast 17, 18 Leute, die immer mal wieder da sind und so ein Kern von doch gut über 10 sind eigentlich fast jede Woche mit am Start.
Toll.
Wir sind, also viele Mitglieder sind bislang eher auch Studierende, Schüler innen sind bislang noch unterrepräsentiert.
Da möchte ich gerne einhaken. Also ich habe eben gehört, gegen den Rechtsruck, da habt ihr das Seminar gehabt und es ist ja offensichtlich so, dass unter den Jugendlichen eine starke Tendenz auch nach rechts gibt. Sag mal, unter den männlichen Jugendlichen, da muss man wirklich jetzt mal gendertypisch formulieren. Wie sieht denn bei euch so die Struktur aus? Also ihr habt, du sagst sehr viele aus dem Studierendenbereich natürlich, wir haben hier Campus Grün geladen. Gibt es denn auch Interessenten oder Interessentinnen aus dem Bereich der arbeitenden oder der auszubildenden Jugend oder ist das unterrepräsentiert? Das interessiert mich wirklich sehr.
Das ist stark unterrepräsentiert.
Wie kann man das dann ändern oder
wollt ihr das eigentlich ändern, wäre die erste Frage. Man kann natürlich auch sagen, so ein Freundeskreis bildet sich irgendwie natürlicherweise an so einer Uni oder so und die Themen werden vielleicht andere, wenn man die arbeitende Bevölkerung mit reinholt. Also habt ihr überhaupt Interesse daran?
Ja, also das Ziel ist auf jeden Fall, dass da nicht nur Studis sitzen. Also ich glaube, wir wollen alle, dass auch die GJ mit ganz vielen, vielen bunten Gesichtern und vielen, vielen Leuten und vielen Perspektiven gefüllt wird und das muss gar nicht nur aus Studiperspektive sein, sondern im besten Falle aus ganz, ganz verschiedenen Perspektiven. Wir treffen uns ja immer abends 19 Uhr 30 und ich glaube, dass es so ein bisschen schwierig ist, gerade für jüngere Menschen dann zu so einer Uhrzeit noch dazu zu stoßen. Ich glaube, das ist so ein bisschen das Problem des Ganzen. Ja,
also du meinst die, Also das kann ich mir auch vorstellen. Also für Kids mit, also 13 oder so ist 19 Uhr 30, wenn am nächsten Tag die Schule anfängt oder so, ist natürlich ein riesen Problem. Aber ich kann mir tatsächlich auch vorstellen, dass es schwer ist, in so einer potenziell vielfältigen Gruppe quasi die Themen angemessen auch zu repräsentieren. Themen, die an der Hochschule diskutiert werden, sind häufig andere, als jemand es einbringen würde, der noch zur Schule geht oder eine Ausbildung macht, oder?
Ja, das stimmt auf jeden Fall. Also es gibt ja auch Campus Grün und die Grüne Jugend. Also die sind auf jeden Fall nicht gleichzusetzen. Das sind unterschiedliche Organisationen. Jetzt überschneiden sich in Trier die Mitglieder schon sehr stark. Das muss aber ja natürlich nicht der Fall sein. Das ist ja auch sehr, sehr gerne gesehen, wenn das sich auch unterscheidet.
Ist das untypisch, dass die Überschneidung so groß ist wie in Trier? Also ist das, also du hast ja jetzt einen Überblick über viele andere Städte. In Wie vielen Städten, Uni Städten gibt es Campusgrün eigentlich?
Ich kann es aufklären.
70, Dankeschön.
Es gibt 70 Hochschulen, die eine Campus Grün Gruppe haben, die organisiert sind. Vielleicht gibt es mehr, vielleicht gibt es welche, die nicht organisiert sind darüber hinaus.
Aber bei denen, die du kennst, ist das so ein Thema. Also die gibt es so große Überschneidungen zwischen Grüner Jugend und Campus Grün.
Also ich glaube, das ist unterschiedlich. Es ist, glaube ich, ortsabhängig. Bei uns ist die Nähe ja dadurch entstanden, dass die Grüne Jugend ja sehr inaktiv war. Und als Fabian und ich noch zusammen das Sprech Team bei Campus Grünen gebildet haben in Trier, haben wir auch gesagt, okay, wir wollen die Grüne Jugend noch mal neu wieder auffahren. Wir wollen, dass sie wieder einen Platz findet, dass die wieder gesehen wird, dass Jugendmeinung auch außerhalb von Studiperspektive gesehen wird. Also das Ziel war schon, die wieder aufzubauen Und dadurch hat man ja direkt die Campus Grünen Leute gesagt, ja, wir machen das und habt die Lust dabei zu sein. Und dadurch war der Weg natürlich sehr kurz und die Leute, die dann zu den Treffen von der Grünen Jugend gekommen sind, dann haben wir auch okay, wenn ihr studiert, dann kommt gerne bei uns bei Campusgrün vorbei. Und dadurch hat sich diese starke Mitgliederüberschneidung ergeben. Aber ich glaube, das ist nicht zwingend überall der Fall. Viele arbeiten eng zusammen, aber auch nicht alle. Also das muss gar keine. Das ist, glaube ich, sehr verschieden an den Städten.
Corinna, wäre es denn nicht auch sinnvoll, dass die Grüne Jugend sich weiter breit macht in dem Bereich der Nicht Studierendenjugend? Das finde ich wirklich meiner Ansicht nach ein ganz großes Problem. Welche Wege gäbe es da?
Also ich glaube, man kann es ja größer ziehen Und natürlich haben auch die Parteien genau dieses Problem, Nicht nur die Grüne Partei, aber auch die Grüne Partei, aber selbst so eine Partei wie die Sozialdemokraten. Also schau dir mal an, wer da heute so im Deutschen Bundestag rumsitzt. Das sind ja weit überdurchschnittlich alles Leute, die studiert haben mit akademischem Abschluss und so weiter. Und das natürlich nicht besonders repräsentativ für die Bevölkerung in ihrer Gänze. Und ich glaube, dass so ein bisschen die Entfremdung, die viele Leute verspüren, auch damit zu tun hat, dass so manch einer den Eindruck hat, also es gibt so eine bestimmte politische Elite und wir sind da irgendwie gar nicht so gefragt. Deswegen glaube ich, ist das eine sehr wichtige Fragestellung. Wir probieren das ja hier in Trier als Grüne Partei sehr intensiv und aktiv bunte und vielfältige Personen zusammenzubringen. Also ich selber mache so ein Format aus dem Nähkästchen, wo immer ganz unterschiedliche Leute mit am Tisch sitzen und über aktuelle politische Themen und grundsätzliche Fragen miteinander beraten. Und ich stelle so fest, dass diejenigen, die nach Hause gehen, dann oft am Ende hätte ich gar nicht gedacht, dass das funktioniert, irgendwie so gut miteinander ins Gespräch zu kommen, obwohl wir uns gar nicht ähneln, obwohl da einfach ganz viele Leute mit unterschiedlichen Erfahrungen setzen. Das macht das Ganze auch spannender, weil ansonsten die Gespräche, die man führt, sich auch sehr ähneln und also Perspektiven sich so einschleifen und wenig Überraschendes passiert. Deswegen finde ich es einfach auch aus einer persönlichen Lust an Überraschungen sehr gut, wenn Runden in diesem Sinne inklusiv sind.
Eine große Aufgabe für die Grüne Jugend. Raus aus dem akademischen Elfenbeinturm.
Ich find, was man tatsächlich da auch nicht unterschätzen darf. Ich habe jetzt gerade nicht ganz parat, Ab welcher Klasse hat Man Sozialkunde in Rheinland Pfalz? Auch sehr, sehr spät.
Ab der 10.
Ich denke ab der Ich glaube 9. Ich habe 9. Im Kopf. Aber wenn man dann mal überlegt, dass man mittlere Reife im Schnitt mit der zehnten Klasse macht, das heißt, man hatte da zwei Jahre Sozialkunde, wo man sich mit Politik befasst und die Oberstufe gibt einem dann schon auch noch mal die Möglichkeit, das drei Jahre zu vertiefen. Und ich glaube, dass innerhalb von dieser Zeit dann auch noch mal oftmals nochmal ein stärkeres Verständnis kommt, wie man Einfluss gewinnen kann, wie das System funktioniert, sodass sich dann überhaupt erst die Frage Trete ich in eine Partei ein oder nicht? Ich glaube, also ich kenne privat auch einige, die Ausbildungen nach der Schule gemacht haben und die, die dort auch sich engagieren wollen. Das sind sehr viele, die dann eher in Gewerkschaften eingetreten sind, wollte ich gerade sagen, eher dort die Arbeit machen,
was ja super ist.
Cora dazu. Ich glaube auch, dass oft die Sprache einfach viel zu komplex ist und man gar nicht mehr mitgenommen wird, worum der Diskurs gerade geht. Also ich glaube, da ist auch gerade die Grüne Jugend, aber auch Campusgrün ein guter Ort, wo man aus Trier Perspektive auf jeden Fall von Anfang an von allen Vokabeln aus mitgenommen wird und gesagt bekommt, okay, das machen wir. Das ist quasi so Politik in klein. Also wir führen ja auch Koalitionsgespräche und machen auch Wahlen und das ist alles so ein bisschen runtergebrochen mit einfacher Sprache. Zumindest versuchen wir das. Und ich glaube, dass er einfach auch einen Einstieg. Ja, ich glaube, das macht auch eine Grüne Jugend auch. Also das versuchen wir zumindest auch immer da so zu machen, dass wir alle mitnehmen, egal wie viel die Person jetzt schon aus dem politischen Kontext weiß oder auch nicht weiß. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ganz wichtig.
Ich vermisse immer so ein bisschen, dass die Politik in den Berufsschulen so schwach präsentiert ist. Also ich habe sehr viel Kontakt mit jungen Leuten, die an der Berufsschule interessiert sind. Ich wohne direkt daneben und spreche oft mit denen. Also wenn ich mit dem Hund unterwegs bin und dann spreche ich mit denen und dann frage ich schon, wie sieht es denn aus? Die haben überhaupt keinen Zugang zu. Das ist für mich so stark nachzufühlen, dass so wenig Zugang zur Politik ist. Ich denke, das wäre vielleicht eine Riesensache auch für Parteien mal über die Berufsschulen da mehr politisch aktiv zu werden. Das ist ja jetzt nur am Rande gesagt. Ein Thema beschäftigt mich noch die ganze Zeit. Das ist jetzt wieder auf die Hochschule zurückgegangen. Campus Grün ist das Thema soziale Medien, die junge Leute oder Heranwachsende sehr stark beschäftigen und sehr starken Einfluss auf die politische Bildung oder die politische Zugehörigkeit haben. Wie stark seid ihr da engagiert oder was denkt ihr muss da geschehen, um da eine größere Reichweite für unsere Politik zu erreichen über soziale Medien?
Ich glaube einfach über viel Präsenz, wenn man viel dazu raus gibt, was wir machen, also als Campusgrün zum Beispiel, was unsere Themen sind und wie wir uns für Studis auch einsetzen, dass dadurch auch Interesse kommt zu sagen, okay, das ist vielleicht interessant und da möchte ich vielleicht auch ein Teil davon sein und da auch mit dran arbeiten, dass sich die Bedingungen für Studis an den Universitäten verbessern. Ich glaube, da kann man vielleicht, wenn wir zu sozialen Medien ansprichst, so zeigen, was man macht.
Ich würde gerne noch einmal ganz kurz zu diesem Thema der Schulen zurückkommen. Fabian du hattest ja gesagt, dass aus deiner Sicht Politikunterricht in der Schule in Rheinland-Pfalz und wahrscheinlich unterscheidet. Sich das gar nicht so großartig zwischen den Bundesländern, zu spät ansetzt eigentlich. Das würde ich total teilen, Aber ich würde sozusagen noch mal grundsätzlicher die Frage Ist der Auftrag, politisches Verständnis zu vermitteln, ein Auftrag des Politikunterrichts in der Schule oder wäre es nicht möglicherweise wirksamer, wenn die Strukturen, in denen Kinder und Jugendliche lernen, also in der Schule und vielleicht sogar schon im voraus vorschulischen Bereich, einfach demokratischer aufgestellt werden im Sinne von Kinder und Jugendliche sollten ihr Umfeld aktiv mitgestalten können. Also denn Demokratie kann man natürlich theoretisch lernen, aber wirksam kann es ja sein, wenn man als Schüler mitreden kann, was in der Schule passiert und das nicht nur in so einer Alibiform, sondern wirklich. Sind das auch so Themen, mit denen ihr euch beschäftigt?
Also ja, ich denke, dass beides ein großes Thema sein muss. Zum einen muss das politische System auch in Form von Schule quasi den Mitbürger innen mitteilen und erläutern, wie das System eigentlich funktioniert. Nichtsdestotrotz in den letzten Jahren sind Schüler innen ja auch immer länger von ihrer Freizeit in den Schulen gewesen durch Ganztagsunterricht. Also man verbringt da wirklich einen Großteil seiner Schulzeit.
Ich glaube einfach, dass echte Teilhabe wichtig ist und dass man wirklich Schülerinnen die Möglichkeit gibt, echt mitzubestimmen. Und mit echt meine ich, dass man nicht nur behauptet, dass es eine Schüler Innenvertretung gibt, sondern dass diese auch wirklich Instrumente in die Hand gelegt bekommt, mit denen sie handeln können. Also ich glaube, das ist. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Schulen gelaufen ist, aber ich muss sagen, bei uns weiß ich, dass man damals immer nur mitbekommen hat, okay, jetzt wird halt eine neue Schüler Innenvertretung gewählt und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass man jedes Jahr machen die so ein paar Aktionen und die sind doch alle immer super nett und schön. Aber es gab nie so, dass man. Also ich hatte mich damals, weiß ich nicht so vertreten gefühlt, weil ich nicht, man hat nicht mitbekommen, was sie genau gemacht haben. Und dadurch wurde man auch in diesem Prozess leider nicht so mitgenommen. Das fand ich immer schade, was natürlich nicht heißt, dass sie nichts gemacht haben, sondern nur, dass ich das damals nicht mitbekommen habe. Und ich glaube, wenn man da echte Teilhabe vermittelt, sowohl im Sinne einer Schüler Innenvertretung, als auch im Sinne, dass man auch außerhalb sich irgendwie aktivieren kann und sagen kann, okay, das sehen wir anders als Schüler innen. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Also auch die Gestaltung von Lernräumen, das fand ich damals schon Da hatten Schüler innen bei uns jetzt nicht so viel Mitbestimmungsrecht und dabei mussten wir als Schüler ja da lernen und nicht nur die Zeit absitzen. Ich glaube, da hätte es angepasstere Räume und auch angepasstere Lernmöglichkeiten gebraucht. Also wie geht man das an? Ich weiß, dass es nicht so einfach ist, wie man sich das vielleicht wünscht immer, aber ich glaube, da müsste man das System auf jeden Fall verändern, dass Schüs da wirklich mitbestimmen können und nicht nur kleine Mitbestimmungen haben, sondern wirklich viel auch zu sagen haben, weil es ja schließlich um sie geht.
Und wie kommt man dahin? Also wie käme man dahin zu sagen, das System so zu verändern, dass Schüler innen tatsächlich mehr Mitbestimmungsrechte haben? Also Lehrerinnen und Lehrer werden das wahrscheinlich nicht freiwillig aus der Hand geben oder ich habe Schülervertreter gesprochen, die haben mir erzählt, wir machen permanent total gute Vorschläge und dann habe ich gefragt, und wer entscheidet dann darüber, ob die wirklich gut sind und umgesetzt werden, dann haben die gesagt, der Direktor, ja gut, also es ist natürlich witzlos dann.
Ja genau, das ist ja das Problem. Also dass man tolle Vorschläge machen kann, aber nicht actually so in Abstimmung dabei ist. Und wenn man dabei eingezogen wird, ich denke jetzt gerade an den Senat und der Uni, da kann man sich auch mal angucken, wie viel Stimmen haben Studis und wie viel Stimmen haben Nicht Studis in diesem Senat. Das heißt, selbst wenn alle Studis, die von verschiedenen Listen kommen, eine Meinung hätten, was nicht zwingend der Fall ist, aber nehmen wir mal rein hypothetisch an, sie hätten diese geeinte Meinung und das, obwohl da ganz verschiedene Leute sitzen können, dann können wir immer noch nicht die Professor innen die anderen Leute aus dem Senat überstimmen. Das heißt, man sagt zwar, hier gibt es Wahlen, hier könnt ihr für den Senat kandidieren und das ist auch alles super und ich finde das auch total gut, aber ich glaube, es bedarf einfach mehr Mitbestimmung, damit wir wirklich sagen können, okay, hier, das läuft unserer Meinung nach schief, das müsste sich ändern und das fordern wir, damit das besser wird für uns. Und dafür braucht es halt wirklich Mitbestimmung.
Ich hätte noch mal ein Beispiel aus der Schule, also vor allem in den unteren und mittleren Klassen ist ganz oft ja so neue Klasse oder neue Lehrperson und dann geht es erst mal um die Verhaltensregeln und ganz oft quasi kommt dann die Lehrkraft dahin und so, das sind die Verhaltensregeln. Und ich glaube schon, dass. Und in der Schule wird ganz viel damit argumentiert, weil ich eine Autoritätsperson habe, quasi hat meine Stimme wert und ihr müsst euch danach richten. Und ich glaube schon, dass man auch schon in einem sehr jungen Alter sich mit Schüler innen hinsetzen kann und sagen kann, welche Regeln wollen wir zusammen aufstellen, wie wollen wir miteinander umgehen Und dann so ganz banale Sachen wie, dass man sich meldet, da werden die Schülerinnen dann schon relativ schnell selber drauf kommen, einfach weil sie merken, wenn sie es eben nicht machen, dass das super anstrengend ist. Und das zieht sich bei allem. Also das Einzige, wo man wirklich eigentlich immer so ein bisschen Mitbestimmungstag hatte und das ist auch immer abhängig von der Lehrkraft, ist dann so, wo der Wandertag hingeht, da hatte man dann noch oft viel Freiräume. Also ich fand ein super Beispiel, wo viel mehr Mitbestimmung hätte passieren müssen, das kann ich noch aus meiner eigenen Schulzeit war die Corona Pandemie. Also da wurde der Lockdown kam und die Lehrpersonen wussten erstmal überhaupt nicht, wie man das macht. Und man hätte viel mehr und viel schneller mit uns ins Gespräch gehen können. Wie finden wir jetzt vielleicht eine gute Lösung, um weiterhin miteinander lernen zu können? Auf welche Art können wir das machen? Wo vor allem im Digitalen es ganz, ganz viele Lehrkräfte gab, wo ich sagen würde, dass wir Jugendliche da wahrscheinlich sogar fitter aufgestellt waren, welche Möglichkeiten es gibt. Und da hätte man viel mehr in das Miteinander gehen sollen,
Aber das durften die ja nicht. Also selbst Schulleitungen, die gesagt hätten, wir können das untereinander am allerbesten entscheiden, was für uns eine sichere Situation ist, waren von der Politik abhängig. So hat das System funktioniert. Also da haben am Ende des Tages Ministerpräsidentinnen zusammengesessen und haben irgendwie sonntags abends entschieden, wie es montags weitergeht. So und jetzt hatte das finde ich gerade, bevor wir dann weitermachen, würde ich einen Aspekt gerne aufnehmen, den Alf gerade angesprochen hat. Nä, ich habe es vergessen jetzt gerade, da ist irgendwie der Wurm drin. Aber es ist tatsächlich so, dass ich eigentlich sagen Wie kriegst du das hin, in so einer Situation den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie wirksam sein können? Und jetzt ist mir wieder eingefallen, es war tatsächlich so, dass wir gesehen haben bei den vergangenen Wahlen, dass gerade männliche Jugendliche einen Hang gehabt haben, rechtsextreme Parteien, also sprich die AfD in dem Fall, zu wählen. Und ich stelle mir mal die Frage, woher kommt das? Also es ist ja in relativ kurzer Zeit passiert, innerhalb einiger Jahre, also während davor eigentlich alle jungen Leute eher dazu neigten, progressive Parteien zu wählen und zu unterstützen, sehen wir in jüngerer Zeit, dass sich das verändert hat. Eine Frage, die sich mir stellt, kann das mit der Corona Pandemie tatsächlich zu tun gehabt haben mit dieser Situation, dass so über einen über Jahre hinweg entschieden wurde? Das sind ja die Jungwähler innen von heute tatsächlich. Also es ist genau die Generation, über die wir reden. Da wird mich interessieren, ist das ein, also sicherlich nicht die einzige Erklärung, aber ist das Teil der Erklärung?
Also ich glaube, dass das definitiv ein Thema ist. Ich würde das nicht mal nur auf jüngere Menschen sprechen, sondern ich glaube, dass die Corona Pandemie bei einem wesentlichen Teil in der Bevölkerung für absoluten Vertrauensverlust gesorgt hat. Egal ob es nicht nur die Politik ist, hat auch mit der Wissenschaft zu tun. Also da müsste es eine deutlich bessere Aufarbeitung geben. Ich würde es aber auch nicht nur darauf schließen, weil wenn man jetzt mal noch die Frauen auch mit rein nimmt, die ja auch jetzt in den letzten Jahren dann eher sehr stark links gewählt haben, glaube ich, wenn man da noch eine Gemeinsamkeit sucht, zumindest die finden kann, dass sowohl Männer als auch Frauen in unserer Generation oft das Gefühl haben, dass sie vom System nicht gesehen werden und. Dass sie nicht vom System profitieren. Ich glaube auch, dass eine Einführung der Wehrpflicht das jetzt auch nicht unbedingt wieder verbessert, dieses Bild. So der Klimawandel ist irgendwie seit Jahren ein Thema. Und wir haben uns auch als junge Generation, das kann ich auch aus meiner Bei mir privat zu Hause hatten wir meinen Opa, der eine starke Lungenkrankheit hatte und da war es ein Riesenthema, dass wir Corona auf keinen Fall nach Hause bringen dürfen. Dann war das irgendwie vorbei und man hatte dann, das war dann so ein bisschen vielleicht auch eine naive okay, jetzt haben wir was gegeben, jetzt kriegen wir vielleicht auch noch mal was zurück. Aber dann hatte man das Gefühl jetzt mit der Wehrpflicht, was natürlich auch den anderen Umständen entspricht. Aber man hat das Gefühl, es wird immer noch geguckt, wo kann man noch mal was von den Jugendlichen geben. Hinsichtlich auch Rente ist immer ein Thema. Und ich glaube, dass ich glaube, dass wir in den Zeiten, wo wir leben, auch super viel mit Empathie, also super viel Empathie brauchen. Und da würde ich jetzt sogar mal fast in den Raum stellen, ob da Frauen nicht im Schnitt besser für sozialisiert worden als wir Männer.
Ja, also ich möchte da noch mal einhaken. Ich bin froh, dass wir noch mal auf diesen Punkt gekommen sind. Es klafft ja sehr auseinander, wie Frauen wählen und wie Männer wählen. Also junge, junge Frauen wählen tatsächlich eher links und junge Männer wählen tatsächlich eher rechts. Es ist also mehr als einmal in Studien nachgewiesen worden, woher das kommt. Also Corona ist sicherlich eine davon, einer der wesentlichen Gründe. Die Frage Wie erreichen wir alle die jungen Männer, die irgendwo da abzudriften drohen oder schon abgedriftet sind? Erreichen wir die noch? Schaffen wir es mit denen wieder ins Gespräch zu kommen? Schaffen wir es außerhalb der Universität? Ich hab angeguckt, unsere Universitäten, die sind ja größtenteils in ganz Deutschland eher links aufgestellt, das muss man sagen. Die Studentenparlamente sind ja meist ganz, ganz linkslastig, was ich begrüße, aber außerhalb der Hochschule sieht die Welt ja völlig anders aus. Und wie schaffen wir die Klammer, wie schaffen wir es, da wieder hinzukommen? Und da hätte ich mal, Cora, du bist die Jüngste hier am Tisch gefragt, wie kannst du junge Männer in deinem Alter davon überzeugen, dass linke oder grüne oder klimafreundliche oder progressive Politik das Mittel der Wahl ist und nicht irgendwelche rückschrittlichen, rückwärtsgewandten Abgrenzungspolitiken, wie sie sehr viel in den sozialen Medien propagiert werden.
Ja, ich muss sagen, in meinem eigenen Umfeld habe ich tatsächlich sehr, sehr wenig mit rechten Menschen zu tun. Ich treffe nicht auf die in der Regel zumindest weiß ich davon nichts. Und ich hoffe auch, dass es nicht der Fall ist. Ich muss sagen, mir ist Politik in der Freundschaft auch sehr wichtig. Ich möchte immer abklären, sind wir politisch ähnlich unterwegs? Es gibt Dinge, die für mich dann nicht verhandelbar sind. Menschenrechte gehören zum Beispiel dazu, nur als nur als Beispiel. Und ich denke, dass allein dieses Bubble Denken existiert. Also dass man so, dass man nicht nur denken, es ist ja auch faktisch da, also dass man, wenn man in den sozialen Medien ist, dass man immer wieder in seiner eigenen Bubble Content vorgeschlagen bekommt, dass es dadurch wirklich sehr schwierig ist, diese Menschen zu erreichen, weil die wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum schon ähnlichen Content bekommen haben. Und man kommt da auch sehr, sehr schwierig mit anderen Themen rein. Also allein da der Algorithmus ja weiß, was man sich länger angeguckt hat, was man sich erneut angeguckt hat, wie lange man auf einem Post war, dass man dadurch auch immer wieder Ähnliches vorgeschlagen wird und gar nicht mehr externe Sachen vorgeschlagen bekommt. Und mir hat noch nie jemand öffentlich gesagt, dass die Person rechts ist. Deswegen ist da auch ein Austausch schwierig. Also ich bin da ein bisschen überfragt. Also
wie erreichen wir die, die wir erreichen müssen?
Oder ist das vielleicht nicht, wenn dich Corinna noch einmal die Frage stellen darf? Also du hast gesagt, ich achte darauf, ich kann das total nachvollziehen. Das tun wir alle, glaube ich. Also dass wir in unseren Freundeskreis die Leute reinlassen, mit denen wir hohe Übereinstimmung haben, das ist ja auch total nachvollziehbar. Aber in dieser politischen Funktion, in der wir ja alle sind, müssen wir irgendwie den Versuch unternehmen oder vielleicht müssen wir es auch nicht, Aber ich habe das bisher immer gedacht, mit Leuten in Austausch zu treten, die anderer Meinung sind, die wir dann überzeugen wollen von unseren Werten und Haltungen. Dann frage ich mich, ob das, ob sozusagen so eine, ob es ein Problem wäre, das Gespräch zu versagen. Aber du hast das wahrscheinlich ganz anders gemeint.
Ja, ich meinte das tatsächlich anders. Ich glaube, das Problem ist nicht, das Gespräch zu versagen, wenn ich das richtig verstanden habe, was du damit meintest. Ich glaube, das Problem ist, das Gespräch zu finden. Also dass man sagt, man tritt wirklich in Austausch, die Leute zu finden, die okay, das ist meine Meinung und dann auch wirklich aktiv dagegen zu reden, gegen das, was man sagt. Ich muss sagen, dass selten in meinem Umfeld Menschen sehr, sehr laut eine andere Meinung haben Und wenn, dann kann man darüber auch reden. Also wir hatten zum Beispiel, gestern war das, glaube ich, bei der Campus Grün Sitzung, hatten wir auch eine sehr spannende Debatte in Trier. Das ist auch in Ordnung so weit, dass man dann sich darüber unterhält und guckt, warum sind wir anderer Meinung? Wie kann man einen Konsens finden? Aber wenn es um sehr, sehr grundlegende Dinge geht, wie wir jetzt hier mit Rechtsdruck, mit Menschenrechten ja auch davon ausgehen, dass man da ist es tatsächlich. Also ich sehe nicht viele Leute, die dann offen sagen, ich find irgendwas. Also dass man da offen irgendwas hat, das sehe ich sehr selten, dass dann Leute dann offen das aussprechen.
Also ich würde da jetzt auch noch mal so sagen, Also auf der individuellen Ebene braucht man auf jeden Fall sehr viel Willenskraft dafür. Ich finde es auch immer noch schwierig. Das ist es eben, was ich das Gefühl hatte, dass es durch die Corona Pandemie hinsichtlich des Vertrauens der Wissenschaft auch schwerer war. Also man braucht nicht viele gespräche mit einer AfD wählenden Person, um zu merken. Also hinsichtlich des Klimawandels komme ich da ja nicht mehr weit. Also da habe ich schon das Gefühl, ich komme da mit Fakten und dann werden halt die Fakten so als Das ist halt deine Meinung. Ich habe halt meine Meinung, lass mir bitte meine Meinung und das ist super anstrengend. Und auf der höheren Ebene, warum vielleicht auch vor allem viele Männer im Moment zu rechts wählen. Ich glaube, dass ein Riesenthema ist, dass im Moment sich auch super viel wandelt hinsichtlich der Rolle, Was ist männlich, Wie sollte ein Mann sein? Dann hat man daheim im Zweifel auch noch vom eigenen Vater ein ganz anderes Ideal vorgespielt. Dann ist man also als Mann, vor allem auch als weißer Mann, wer halt vor allem die AfD regiert, war man die ganze Zeit privilegiert. Und ich glaube, wenn man dann über Gleichberechtigung spricht, dass sich das dann oftmals tatsächlich im Zweifel so anfühlt, wie wenn man jetzt weniger Rechte hat, obwohl das natürlich Quatsch ist. Ich glaube, was super wichtig wäre, wäre, weil an sich ist es in Ordnung, wenn da auch ein kleiner Geschlechterkampf ist, wo das Gegeneinander dieser Kampf ausgefochten wird, in die Debatte zu gehen. Ich würde mir dann aber eventuell auch ein politisches System wünschen, was uns quasi davor schützt, dass unzufriedene Männer überhaupt Faschisten noch wählen dürfen in Deutschland. Also wenn man schaffen würde, mal irgendwann näher an ein AfD-Verputzverfahren zu kommen und sollte das mal umgesetzt werden, dann sind die immer noch unzufrieden, aber die stellen dann keine Bedrohung mehr für unser System dar auf die Art. Warum?
Das ist richtig, das sehe ich ganz genauso. Aber warum sind junge Männer unzufriedener als junge Frauen? Du hast es ansatzweise versucht zu erklären. Ich nehme das so nicht hin. Ich bin also selbst irgendwann mal ein junger Mann gewesen und und hab viele junge Männer gekannt und wir waren, ich glaube, das war in den er Jahren, wir waren nicht unzufrieden. Also das war eine andere Unzufriedenheit, die hat sich nicht politisch artikuliert. Also rechte Parteien waren einfach so weit von uns entfernt, dass man überhaupt nicht darüber nachdenkt, wer die CDU gewählt hat, war schon so weit nach rechts abgedriftet, dass man den schon kaum noch für voll genommen hat. Aber das Problem, das Problem dieses Männlichkeitsideals, das hat sich verändert oder das Männlichkeitsideal hat sich verändert. Und zwar hin zu einem Macho Typen, der insbesondere in nicht akademischen Kreisen oder in Kreisen, die nicht über die politische Willensbildung verfügen wie andere, hat sich ein Männlichkeitsideal herauskristallisiert. Das sehe ich in den sozialen Medien, dass eigentlich eigentlich seit 50 oder 100 Jahren nicht mehr existieren dürfte. Und plötzlich ist das wieder da. Der starke Mann, der stark und körperlich stark auftritt. Das ist doch eigentlich ein Unding, dass es das noch gibt. Und das fasziniert junge Leute, das fasziniert junge Männer, Jugendliche von 15, 16, 17 Jahren und das kann ich überhaupt nicht verstehen.
Aber also dieses Rollenbild, das war ja an sich nie weg.
Doch, das war aber deutlich schmäler und deutlich weniger ausgeprägt, als es zurzeit ist. Das war wirklich so. Das kann ich aus meiner Lebenserfahrung sagen. Das oder Corinna das war in den er oder er Jahren überhaupt nicht so ausgeprägt, wie das heute plötzlich wieder ist. Also wenn ich mir Ich gehe selber ins Fitnessstudio und sehe dann manchmal junge Männer, die sich da aufpumpen wie die
Irren,
die wurden bei uns nur belächelt, also eher verspottet. Warum ist das so?
Cora Also ich kann dir nicht sagen, warum das so ist, Aber ich glaube, dass dieses Rollenbild einfach konsequent weiter bekämpft werden muss. Also ich glaube, das war nie komplett weg, wo du sagst, es ist vielleicht wieder mehr geworden, aber ich glaube, weg war es nie. Also das sieht man ja auch in Abhängigkeiten, wenn wir jetzt in ältere Generationen gucken, inwieweit sind die voneinander abhängig gewesen oder ist vielleicht auch jetzt noch. Ich glaube, das ist viel grundlegender, dass man ganz grundlegend anfangen muss, dass man vielleicht nicht unterscheidet nach klassischen Rollenbildern von Mann und von Frau und von anderen Geschlechtern, sondern dass man einfach sagt, das ist ein Mensch und der Mensch hat die Aufgabe, glücklich zu sein und vielleicht Freundschaften zu führen und friedlich zusammenzuleben. Aber nicht der Mensch hat die Rolle Versorger, Verteidiger, keine Ahnung was, sondern dass man viel ganz woanders ansetzt, dass man Wir sind alle hier und sollen friedlich zusammenleben.
Damian Was meinst du? Kannst du das erst mal nachvollziehen, was Alf gesagt hat? Also überwunden weiß ich nicht, Aber ich glaube, dass man die Lebenserfahrung natürlich schon ernst nehmen muss in der Entwicklung. Und ich glaube, das spüren wir alle, dass zumindest dieses Aufbrechen dieser alten Raster, die möglicherweise nie verschwunden waren, aber in den letzten Jahren brutal aufschlägt. Also da sind wir, glaube ich, alle einer Meinung.
Liegt es aber daran, weil das auch mehr thematisiert wurde? Also beispielsweise, es gab ja schon immer eine krasse Verschiebung, was Care Arbeit angeht. Also das war ja immer, dass das eigentlich bei, dass es an der Frau hängengeblieben ist. Und in den letzten Jahren wurde das halt deutlich mehr thematisiert und auch politisiert. Und ich glaube, vorher, weil vieles auch nicht thematisiert wurde, mussten Männer das auch gar nicht dann so groß zum Thema machen, weil es wurde dann halt noch geschluckt. Grundsätzlich hatte ich ja das Gefühl, es wird nichts von Männern gefordert, quasi, was sie vorher jetzt schon gemacht hätten. Also wie wenn jetzt neue Probleme gesucht werden würden, wo man sich Gegenwertungen.
Ja, das sehe ich schon ähnlich. Also vieles, was zurzeit in den Medien aufschlägt, ist nach oben gespült worden. Es war vielleicht auch einfach nur vom Bildschirm weg. Jetzt ist es wieder da. Die Diskussion, auch wie sie jetzt über die Epstein Pfalz beispielsweise rausgekommen ist, das waren ja Dinge, die waren immer da. Die waren immer da und sie sind totgeschwiegen worden. Die Geschlechterverhältnisse waren wahrscheinlich auch zu allen Zeiten immer irgendwie schief und schräg und wenig positiv für die Frau, sondern meist hat sich der Mann alles rausgenommen. Das ist einfach so gewesen. Und das bricht jetzt langsam weg und bricht auch langsam auf. Und genau das führt aber zu dieser Verzerrung, die nach rechts driftende Verzerrung. Und an der könnt ihr eure Generation Gen Z mitwirken, dass das sich verändert. Also ihr seid die geforderten wir nicht mehr, ihr seid jetzt gefordert, auf eure Alterskolleginnen und Kollegen einzuwirken, dass die sich ein neues Rollenbild, ein menschlicheres Chor hast du gesagt, du hast das ernst auf Mensch gebrochen zulegen. Und das befürchte ich, ist im Moment ein bisschen aus der Balance geraten.
Das ist also euer Kampf, ihr Cora, was sagst du?
Das sehe ich anders. Der Kampf gegen rechts ist ein Kampf, den wir alle führen. Der liegt nicht an unserer Generation, der liegt nicht an der Gen Z, der liegt aber auch nicht allein bei der Boomer Generation, der liegt überall. Also jede Person sollte meines Erachtens gegen rechts kämpfen, gegen rechts stehen, sich dagegen klar positionieren und Menschlichkeit wählen. Und das ist nicht vereinbar mit der AfD oder anderen rückständigen Ideologien. Ich glaube, das ist ein Kampf, den wir alle zu führen haben und nicht nur wir. Also als Gen Z Person.
Ich würde auch noch mal betonen, also wenn quasi immer mehr Leute eine Partei wählen, die offen gegen unser System sind, dann ist es jetzt vielleicht auch nicht die Aufgabe von denen, die vermeintlich mit am meisten unter dem aktuellen System leiden oder am wenigsten davon profitieren, dass die jetzt dafür sorgen sollen, ihren anderen Mitgenossen Bitte seid jetzt nicht mehr so rechts.
Aber es ist ja tatsächlich kein Phänomen, das wir nur in Deutschland Sehen mit der AfD, sondern das ist ein Phänomen das wir eigentlich in allen Industriestaaten haben. So und jetzt kann man natürlich sagen, also bin ich auch der Meinung, also das Bundesverfassungsgericht soll die Möglichkeit bekommen, die AfD auf ihre Verfassungsgemässheit zu überprüfen und gegebenenfalls dann zu verbieten. Deswegen gibt es diese Möglichkeit und da bin ich der Meinung, dass welches Verfassungsorgan auch immer diesen Weg endlich freimachen sollte, um zu so einer Prüfung zu kommen. Aber ich würde gerne dahinter zurückbleiben an dieser Stelle noch und nicht so sehr über die AfD, sondern mehr über diese Haltung reden und die Frage stellen, woher kommt die denn eigentlich? Weil darum geht es doch. Also wir haben tatsächlich ja in den letzten Jahrzehnten vor allen Dingen eine ganz stark progressive Entwicklung gehabt. Wir haben in Deutschland eine Ampelregierung gehabt, die gesellschaftspolitisch an vielen Stellen sozusagen das unterstützt hat, gesetzgeberisch umsetzen wollte, was gesellschaftlich hegemonial war. So und jetzt ist das eben nicht mehr so. Woran liegt das und was setzen wir dem entgegen? Fühlt ihr euch eigentlich noch in der Mehrheit oder fühlt ihr euch marginalisiert als Menschen, die politisch aktiv sind?
Ich glaube, viele sind nicht politisch aktiv.
Also ich meine euch jetzt konkret, also fühlt ihr euch in einer starken Position oder habt ihr eher das Gefühl, wir führen hier einen Abwehrkampf?
Ich glaube, das ist ortsabhängig. Also ich würde sagen, innerhalb in der Uni Bubble habe ich das Gefühl, dass in meiner Bubble sehr, sehr viele politisch aktiv sind. Also ich muss sagen, mein ganzer Freundeskreis ist eigentlich politisch aktiv und würde diesen Kampf gegen rechts, der jetzt eben angesprochen wurde, auch mitführen. Also alle, die mit mir da was zu tun haben, sind da politisch aktiv. Ich glaube aber auch, dass nur weil ich das jetzt in meinem Freundeskreis so wahrnehme, ist mir schon bewusst, dass es nicht überall der Fall ist. Also ich weiß allein wenn man sich anguckt, wie viele Personen wählen denn überhaupt bei der Stupa Wahl, dann sehen wir, dass die politisch Aktiven nicht die Mehrheit bilden. Also ich glaube so grob 12, 13 Prozent hat man an Wahlergebnis, also an Wahlbeteiligung. Das ist so gut wie nichts.
Wir hatten früher nur 5 Prozent, 5 Prozent Wahlbeteiligung bei der Stupawahl.
Ja, ich weiß auch, dass Trier da so, dass wir eine relativ hohe Wahlbeteiligung haben. Ich muss auch sagen, der Wahlausschuss hat dieses Jahr sehr gute Arbeit geleistet, aber Ich fand es, ich finde es schon, da sieht man, dass so viele Leute einfach nicht aktiv sind. Das ist natürlich blöd, weil wir werden ja dadurch auch legitimiert durch deren Stimmen. Also man würde sich natürlich wünschen, dass mehr Leute aktiv sind, aber aus meinem eigenen Bubble Umfeld habe ich schon das Gefühl, dass alle aktiv sind, auch wenn das vielleicht an der Hochschule oder an der Uni oftmals nicht gespiegelt werden kann. Das sehen wir an Uni Wahlen.
Also ich muss sagen, ich habe schon das Gefühl, dass es sehr oft eher ein Abwehrkampf ist. Also wenn ich jetzt über die GJ sprechen kann, ist mit Sicherheit auch dem zu schulden, weil das einfach jetzt immer noch im Entstehen ist und man immer noch als Gruppe da auch reinkommt. Ist super spannend, weil wir ja quasi ganz neue Strukturen aufbauen, ist es super wandelbar. Aber manchmal, wenn wir so über politische Themen sprechen, habe ich dann schon das Gefühl, hat manchmal auch eher Züge von einer Selbsthilfegruppe quasi, wo man eher so bewältigt, was im Moment so Thema ist. Ich finde jetzt gerade ein super aktuelles Beispiel ist auch dieses Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16, bevor es überhaupt auf die inhaltliche Debatte geht, finde ich schon ätzend, wie die überhaupt geführt wird. Ich sehe da gefühlt nur ältere Menschen, die darüber sprechen, was gut für Kinder sind und ich sehe da viel zu wenig Einbindung quasi mit den Kindern und Jugendlichen. Was sind die Beweggründe, warum wird es so viel genutzt? Könnte man nicht auch Dinge machen, wie mehr Jugendgruppen vor Ort unterstützen? Aber ich finde es super schwierig, dass erst quasi weniger Priorität für Jugendräume geschaffen wird und dann verzieht sich auch vieles ins Digitale und jetzt soll das digitale Netz quasi verboten werden, was dann auch noch viel eher dafür sorgen könnte, zumal die Hürde ja wirklich einfach nur ist, ein Elternteil, was einem Kind das gibt. Und ich sehe dann auch schon wieder die Gefahr, dass dann Jugendliche eher noch ein schlechteres Hilfsangebot bekommen, weil wofür ein Hilfsangebot machen, wenn man am Ende sagen kann, ja gut, ihr hättet ja überhaupt gar nicht auf Social Media sein dürfen. Also um die psychischen Probleme quasi kümmern wir uns Dann, wenn ihr 16 seid, mit Programmen, um es jetzt ganz überspitzt darzustellen. Ja, also da habe ich schon das Gefühl, dass man immer sehr aktiv und koordiniert agieren muss, um überhaupt gehört zu werden und dass es nicht so automatisch in Prozesse mit reingeflossen wird.
Cora Ja, es ist ja auch so, dass man stärker ist, wenn man mit vielen Leuten zusammen ist, wenn man Freundschaften hat, wenn man Bündnisse hat, was auch immer die einen zusammenhalten. Und zu dem, was du jetzt gerade gesagt hast, die Medien können natürlich auch ein super, super Freundeskreis sein. Also egal jetzt, ob das über Instagram ist, ob das über Snapchat ist, ob das Snapchat vielleicht nicht, aber egal mal welcher Ort, da werden ja auch Freundschaften geknüpft. Und ich glaube, das wird voll oft vergessen, dass das super, super wichtig ist für Austausch, für Freundschaften, für sich gegenseitig stärken, füreinander da sein. Das ist super, super wichtig, dass das nicht verloren geht und das erst ab 16 zu ermöglichen. Ich meine, wann fühlt man sich besonders einsam? Also aus eigener Erfahrung würde ich sagen, wenn man so in die Pubertät kommt, dann braucht man Freunde, dann braucht man Leute, die vielleicht gerade an einem ähnlichen Punkt stehen, die okay, ich habe das auch erlebt oder ja, das beschäftigt mich auch gerade, dass man dann sich auch unterhalten kann. Und ich glaube, das mit diesem Alleingelassen werden, das ist jetzt nicht so, dass man nur soziale Medien da jetzt rausnimmt aus dieser Gleichung an Freundschaft. Man hat einfach strukturell, glaube ich, die Jugend über die Jahre vergessen. Man hat vergessen, dass wir vielleicht eine Zukunft bilden, dass wir wichtig sind. Ich hatte auch den Eindruck, dass bei Corona das sehr oft vergessen wurde, dass man dann nicht mehr so gesehen hat, wie sich Jugendliche dabei eigentlich fühlen. Ich weiß, wir hatten damals, dass so ein Wochenabwechslungsrhythmus war, wann Schule war und wann nicht. Das war super unfair, weil zum Beispiel, wir hatten eine HÜ, die wurde zweimal geschrieben, das war eins zu eins die gleiche. Die Reihenfolge der Aufgaben wurde noch geändert und der Rest war gleich. Und die erste Gruppe hat dann da komplett sehr, sehr schlecht und hat dann aber die Fragen aufgeschrieben für die Gruppe 2, die das dann in der nächsten Woche geschrieben hat. Das heißt, die wussten eins zu eins, was kommt, haben sich darin darauf vorbereitet und dann hatten da eigentlich alle Einsen. Und das ist natürlich diese Ungleichheit, die man dann wirklich unter die Nase gerieben bekommt. Man kriegt gezeigt, ja, halb blöd für dich, warst dann halt in der falschen Gruppe. Und ich glaube, dieses Gefühl von Ungleichheit, ich werde hier alleine gelassen mit den Themen, die mich beschäftigen aber auch mit den Problemen, die vielleicht anstehen. Und da ist, glaube ich, auch so ein großes, großes Problem drin, dass man sich da einfach alleine gelassen kann. Fühlt.
Ja, das ist, glaube ich, so ein Punkt, an dem Alf und ich gerne in einer späteren Runde auch noch mal ansetzen würden. Also diese Warum fühlen sich junge Menschen vergessen? So und ich glaube, da lohnt es sich noch mal eine eigene Ausgabe zu machen. Wir haben jetzt schon ganz viel miteinander geredet und ein Thema, von dem ich eigentlich gemeint habe, es würde im Mittelpunkt stehen. Da sind wir aber gar nicht hingekommen, weil es so spannend war, mit euch zu reden. Das würde ich gerne als Abschlussfrage einmal mit in die Runde werfen. Und stellt euch vor, ihr hättet die Möglichkeit, einmal unserem Bundeskanzler Friedrich Merz zu sagen, was er davon oder was ihr davon haltet, wenn er sagt, die Jugend von heute sei faul irgendwie alle seien so lifestyle mäßig unterwegs, wollen nur Teilzeit arbeiten und die Zukunft ist düster, Ihr müsst euch mal mehr engagieren. Fabian was würdest du dem sagen, dass
ich auch gerne im Vorstand von BlackRock sitzen würde und zwei Arbeitstage die Woche hätte, ne? Also das ist vollkommen an der Realität vorbei. Also ich sehe in unserem Umfeld, was super politisch ist quasi. Also als ich da die Aussage von Söder gehört hab mit Ja, eine Stunde am Tag kann man noch mehr machen. Also ich kann jetzt über die Mitglieder bei uns sprechen. Wir haben einmal die Woche eine CG Sitzung, die geht mindestens zwei Stunden zu Campus Grün, Dann haben wir auch immer noch mindestens zwei oder drei Stunden G in der Woche. Dazu kommt ein Vollzeitstudium für die Studis bei uns, dann muss das alles auch noch irgendwie finanziert werden. Und ich glaube, dass ganz viel, wenn man jetzt kopfüber fuß quasi da die Arbeitszeit erhöht. Es gibt ganz viele, die können einfach nicht mehr arbeiten, das geht gar nicht. Da wird man nichts erhöhen können. Das, was am ehesten erhöht werden, wie man am besten arbeitet, erhöhen kann, ist, wenn dann Ehrenämter runtergeschraubt werden. Und ich glaube, dass uns das als Gesellschaft alles andere als gut tut und dass uns das richtig noch auf die Füße fallen können.
Wollen wir mal hoffen, dass er es hört. Cora was sagst du?
Ich muss sagen, Fabian, du hast schon sehr, sehr viel Gutes gesagt. Also ich glaube, er müsste sich anschnallen. Also ich glaube, der Zorn ist Groß. Nicht nur bei mir, bei allen Menschen. Bei mir auch. Ich denke, dass mit Teilzeit Lifestyle nicht Studis gemeint sind. Ich glaube es zumindest.
Aber zukünftig. Man erwartet doch von euch nicht, dass ihr es hinbekommt, 40 Stunden in der Woche zu arbeiten.
Auf jeden Fall. Ich glaube auch, dass davon die aktuellen Leute gemein sind, was die Aussage natürlich keineswegs besser oder legitimer machen würde. Die Aussage bleibt bodenlos, egal ob sie jetzt an uns gerichtet ist oder nicht. Ich glaube, was ich auch schwierig fand bei dieser ganzen Debatte ist, dass man sich immer anguckt, ja, die machen ja das alles und deswegen können die nicht Vollzeit arbeiten. Ich glaube, man hat da viel zu sehr den Fokus drauf gelegt, dass man Vollzeit arbeiten soll. Also ich finde das gar nicht so. Ich glaube, die Gründe müssen gar nicht so im Vordergrund stehen. Also ich finde es gut, dass Leute einen Grund haben, das nicht zu machen, aber brauch auch vielleicht einfach keinen Grund. Vielleicht ist der Grund auch einfach ich möchte das nicht und ich brauche Zeit für andere Dinge, für Katze streicheln. Ich weiß es nicht. Ja, also ich denke, das ist ganz traurig, dass man sich da jetzt so rechtfertigen soll. Ich sehe auch den Punkt, den Fabian da gesagt hat. Also unsere CG Menschies, die haben ganz, ganz viel zu tun. Ich würde noch gern Stupa und Asta hinzufügen. Das sind auch noch Sachen und die müssen ja auch alle vorbereitet werden. Das ist ja nicht so, dass wir da sitzen und sagen, okay, was machen wir denn jetzt in der Sitzung? Das muss ja alles vorab geplant werden. Wir müssen überlegen, wofür geben wir Geld aus im Jahr? Also dass man das alles vorab plant. Also es ist ja nicht nur wir sitzen da, sondern da ist ganz, ganz viel Gedankengut dahinter mit Vorbereitung. Meistens haben wir eine PowerPoint, die in die Sitzung einleitet.
Ihr nehmt eure Arbeit ernst, um es mal abzukürzen, würde ich sagen.
Ja, auf jeden Fall. Also ich muss sagen, in den letzten Sitzungen, wir haben eigentlich immer eine PowerPoint, die uns da durchleitet. Die okay, dann reden wir darüber und das ist dann noch Thema und das sind die Aspekte, die wir gesehen haben. Und habt ihr vielleicht auch noch was? Also das ist schon strukturiert. Das ist alles Arbeit. Auch wenn ich glaube, dass wir damit nicht jetzt gemeint sind. Aber unabhängig davon, die Aussage ist frech.
Noch ein letztes noch Fabian, du hast
noch eine Minute und dann kriegt Alf
das Schlusswort, oder ich frage mich dann tatsächlich bei so Aussagen auch immer, was irgendwie so das Mentheitsbild ist. Also ich glaube, was super viele Abiturientinnen zumindest nachvollziehen können, ist, es gibt eine Phase zwischen Abi und entweder Studium oder FSJ, da hat man erstmal nichts zu tun und mit den meisten, wo man spricht, die finden das schrecklich. Also man möchte im Leben quasi eine Tagesaufgabe. Das ist die erste Zeit, ist das cool, Aber relativ schnell hängt es einem zum Hals raus. Ich glaube, dass wir dafür gemacht sind, unser Leben zu gestalten und die Leute wollen arbeiten und auch unsere Generation will arbeiten, aber halt nicht mehr zu jedem Preis. Und es geht auch immer darum, für wen arbeite ich? Für was.
Cora hat noch eine. Du hast noch 10 Sekunden, ne?
Also du hast es eigentlich auch schon gesagt mit dem Wofür arbeiten wir? Was ist der Sinn des Ganzen? Also danke.
Das Was ist der Sinn des Ganzen? Der Sinn des Ganzen, Corinna, ist immer der gleiche. Wir wollen leben, einfach leben und das
machen wir ab jetzt auch, oder? Und das lassen wir uns von Friedrich Merz nicht nehmen. Es war total schön, mit euch das Gespräch zu führen und wir haben, glaube ich, ein paar Anhaltspunkte, wie wir weitermachen mit einfach leben, einfach leben.
Dankeschön.
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