Einfach leben – Ausgabe 15: Ein Mitschnitt aus dem Supermarkt - solange die Tür noch aufgeht

Shownotes

Ein Nahkauf in Trier-Gartenfeld. Gerhard Surges steht seit 2004 hinter der Kasse, kennt seine Stammkunden beim Namen, liefert Einkäufe nach Hause, wenn jemand nicht mehr gut zu Fuß ist. An mehreren Tagen in der Woche wird die Musik leiser gestellt, das Licht gedimmt – die „Stille Stunde”. Was als Ausnahme gedacht war, ist längst zur Regel geworden: Viele Kunden schätzen die Ruhe, nicht nur die, für die sie ursprünglich eingeführt wurde. Leon Basic, Mitarbeiter mit Autismus, gehört fest zum Team. Solche Orte gibt es immer seltener.

Dieser Mitschnitt fängt ein, was oft erst fehlt, wenn es weg ist: ein Stück Nachbarschaft, das zufällig auch Lebensmittel verkauft. Und er stellt die Frage, die Surges selbst noch nicht beantworten kann – was kommt danach?

Shownotes:

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00:00:06: (Ein Podcast von Thomas Schneider produziert) Corinna Hallo, Herzlich willkommen zur 15. Ausgabe von Einfach Leben, unserem Podcast aus Trier für alle. Wir sind heute, wir versuchen mal was ganz Neues. Heute ist der 16. März ungefähr, ich würde sagen so ungefähr halb elf vormittags und üblicherweise, ah, zwei vor. Und üblicherweise nehmen wir aus dem Büro auf oder aus meinem Wohnzimmer. Heute waren wir aber ganz anders machen. Wir sind in Trier mittendrin, mitten im Gartenfeld beim Nahkauf und neben mir steht Gerhard Surges und wir duzen uns heute, Gerhard, oder?

00:00:43: Gerhard Surges Genau, ja, auf jeden Fall.

00:00:44: Corinna Das finde ich auch. Ich fühle mich hier schon richtig wohl. Neben mir steht Alf, der Nachtwächter und ich bin die Corinna, wie immer die Abgeordnete aus Trier. Und wir gehen jetzt mal rein in den Nahkauf und schauen uns mal an, was es hier so gibt.

00:01:00: Alf Also von mir auch einen guten Morgen allerseits. Und jetzt gucken wir, dass man reinkommt, denn es ist am Regnen, es ist

00:01:09: Corinna ein bisschen fisselig und es ist ein bisschen kalt. Aber jetzt kommen wir hier ins.

00:01:14: Alf Der Gerhard hat uns mal die Tür aufgehalten.

00:01:16: Corinna Hat er uns die Tür aufgehalten? Der Gerhard ist sowieso ein total netter und ich gebe jetzt mal rüber. Die haben wir gerade schon kennengelernt, die Hanne. Ist das die Hanne? So, genau. Jetzt kommen wir hier rein, hören vielleicht mal. Hier räumt gerade an der Kasse jemand seinen Einkauf ein und hier zu Beginn sehen wir Gefrierbeutel, Butterbrottüten, Kerzen, Croutons mit Zwiebeln, Studentenfutter. Und jetzt kommen wir in die Gemüseabteilung. Gerhard, was sehen wir hier alles?

00:01:55: Gerhard Surges Im Prinzip alles Obst und Gemüse, was das Herz begehrt. Wir werden jeden Tag frisch angeliefert mit Obst und Gemüse, sodass auch immer frische Ware im Hause ist.

00:02:10: Corinna Ich finde die Gemüseabteilung, Obst und Gemüseabteilung, die sehen immer so schön aus in Supermärkten. Jetzt gehen wir am Toast vorbei an den Waffeln, zwei langen Kühlregalen.

00:02:22: Alf Darf ich mal kurz Zwischenwand fragen? Seid ihr eigentlich auch an Preiswendungen gebunden oder könnt ihr die Preise setzen?

00:02:30: Gerhard Surges Ich könnte die Preise machen, die ich

00:02:31: Alf wollte, aber du orientierst dich natürlich an den anderen bekommen. Mir sind nämlich die Preise vertraut. Ich gehe nämlich sonst auch einkaufen.

00:02:44: Corinna Selber gehst du echt einkaufen?

00:02:45: Alf Ich gehe nicht hier hin, weil ich hab einen näheren Nahkauf.

00:02:49: Gerhard Surges Der Philipp, ganz lieber Kollege, don't Be

00:02:53: Corinna silly go to Philly steht auf den Tüten. Genau, der ist bei uns in der Innenstadt. Also das hier ist nicht der einzige Nahkauf, aber ein besonders schöner. Wir gehen dafür der Älteste, wir gehen am Kaffee vorbei, an den Soßen und an allem möglichen. Und ganz hinten, da werden wir uns nachher noch mit beschäftigen, da sind die Getränke und im Getränkebereich arbeitet der Leon, den wir später im Podcast noch kennenlernen werden. Und jetzt muss ich hier mal Alf und Gerd unterbrechen, weil die haben ja einfach nebenbei haben die weitergehen.

00:03:30: Alf Wir haben so viel zu besprechen.

00:03:31: Corinna Ja, aber wir müss doch chronologisch von vorne. Wir wollen doch mal wissen, warum ist der Gerhard hier, wann hast du angefangen hier und warum? Warum bist du in den Lebensmitteleinzelhandel gegangen?

00:03:44: Gerhard Surges Angefangen habe ich hier am 1.3.2004. Hatte schon von 1977 bis 90 war ich schon mal bei der Rewe Angestellter, war Springer. Ich war also in 70 verschiedenen Märkten. In 70, in 70, ja. Dann kam mein Sohn zur Welt, den habe ich nie gesehen. Also habe ich gesagt, jetzt musst du irgendwas ändern. Bin dann in den Außendienst und war nationaler Verkaufsleiter für Orangina, habe das Produkt großen Teil mit hier aufgebaut in Deutschland. Dann ist Orangina verkauft worden an Schweppes und da habe ich mir einen Traum erfüllt und habe mich selbstständig gemacht und wollte extra einen etwas kleineren Markt, weil ich einfach diese Gruppe Kundenbindung hier war mir sehr wichtig.

00:04:40: Alf Wie alt warst du, als du dich selbstständig gemacht hast?

00:04:43: Gerhard Surges Jetzt muss ich rechnen. 45, das war schon mutig. 44, ja.

00:04:49: Corinna Und ist das heute noch ein Traum? Bist du gerne hier, wenn du jeden Morgen hier die Tür aufmachst?

00:04:55: Gerhard Surges Ja, der Job macht immer noch Spaß. Klar, am Verkauf und an den Kunden ändert sich ja nicht viel. Schlimmer sind die ganzen Bürokratien, Sachen, die uns aufgedruckt werden, die uns die Zeit nehmen, sich mit den Kunden mal zu unterhalten oder mehr im Laden vor Ort zu sein. Das ist schade.

00:05:17: Corinna Das war früher weniger, wenn du mal beschreibst, also wir haben gesagt, wir sind hier in Trier Mitte Gartenfeld, was ist das für ein Stadtteil? Was für Leute leben hier und wer kommt hier so rein?

00:05:29: Gerhard Surges Ja, hier kommt gemischtes Publikum rein. Also von klein bisschen Jährige kommt hier alles rein und auch das Publikum ist gemischt. Hier sind Studenten, hier sind natürlich Lehrer, Ärzte, wie soll ich jetzt sagen, ganz normale Menschen. Alles ist hier an und für sich

00:05:51: Corinna vor Ort, also ganz normal.

00:05:54: Alf Aber du hast kein Publikum aus der Stadt. Jetzt hier hinkommt. Über die Musterstraße kommt dann keiner, über

00:06:01: Gerhard Surges die Allee wird es schwierig, da kommen die Leute natürlich nicht hierhin. Dafür ist das Angebot in der Stadt auch viel, viel zu groß.

00:06:09: Alf Das ist ja auch eigentlich das Prinzip eines Nachkaufs, dass man also auch in der Nähe die Leute findet.

00:06:16: Gerhard Surges So ist auch im Prinzip unser Gebilde aufgestellt, dass die Nahkaufmärkte im ländlichen Raum oder in Stadtteilen sind, wo sonst kein Supermarkt wäre. Wir sind also Nahversorger vor Ort.

00:06:34: Corinna Was mir aufgefallen ist, ihr habt so drei, vier Parkplätze vor der Tür, aber ansonsten kommen die Leute eher zu Fuß, sondern mit dem Rad hier vorbei.

00:06:43: Gerhard Surges Hier ist natürlich viel fußläufig und mit

00:06:46: Corinna dem Fahrrad ganz in unserem Sinne, oder Ralf?

00:06:50: Alf Das ist ganz in unserem Sinne. Müsste es nur mehr geben, dann wären die großen Discounter auf der freien Fläche nicht ganz so stark belegt.

00:06:58: Gerhard Surges Das stimmt, dann würden doch nicht so viele weglaufen in der REWE.

00:07:02: Corinna Und jetzt interessiert mich mal, also warum ist das so wichtig, dass die Leute fußläufig einen Lebensmittelversorger vor der Tür haben und für welche Leute ist vielleicht besonders wichtig?

00:07:14: Gerhard Surges Da bringe ich mal das Beispiel jetzt bei der Pandemie war es so, dass die Leute mal gemerkt haben, wie wichtig so ein kleiner Markt vor der Tür ist, damit man nicht durch die Gegend laufen muss und der Gefahr ausgesetzt ist und und und. Das Kaufverhalten hat sich dadurch ganz schwer verändert, dass die Leute wirklich mehr vor Ort kaufen. Anstatt in die großen Märkte auf die grüne Wiesen zu fahren, können wir ein

00:07:46: Alf Stück weit darüber gehen. Der Lautsprecher ist direkt darüber,

00:07:51: Corinna die Kühlanlage, vielleicht habt ihr sie gehört. Wir stehen nämlich hier vor dem großen Kühlregal mit Käse und Wurstwaren und allem möglichen. Wir sind jetzt zurückgegangen, weil Thomas gesagt hat, dass das stört, Aber wir sind ja hier draußen auch damit die Leute hören können, dass das Leben pulsiert hier. Und ich nehme auch an, dass das für alte Menschen wichtig ist, die eben kein Auto mehr haben, die nicht irgendwie weit weg fahren können zum Einkaufen.

00:08:19: Gerhard Surges Ja, natürlich sehr wichtig, schon allein auch die Nähe, dass man sich einfach hier trifft. Wir sind auch ein Treffpunkt geworden für viele Leute, die hier hinkommen. Die wissen hier treffe ich immer jemanden zum Schwätzen. Zu Hause haben die meisten ja dann keinen mehr. Außerdem bieten wir auch noch für die alten Menschen an, dass wir denen die Ware nach Hause bringen. So die halt eben immer raus können und mit Versorgung ihre Probleme haben. Das übernehmen wir dann. Die Leute rufen an, bestellen bei uns schwätzen und bisschen mit uns und bekommen dann donnerstags und freitags die Ware geliefert.

00:09:02: Corinna Ich war ja neulich hier mit der Uli Reichmann von Autismus Trier und wir haben uns die stille Stunde angeschaut und vielleicht können Sie auch dafür oder kannst du dafür gerade mal ein bisschen Werbung machen.

00:09:19: Gerhard Surges Stille Stunde kam die Frau Reichmann auf mich zu, muss ich ganz ehrlich sagen, Wir haben uns da nie einen Kopf drüber gemacht, weil für uns war das normal, dass im Hintergrund die Musik dudelt, dass die Kassen piepsen und und und. Wir hören die Musik ja teilweise schon gar nicht mehr und die hatte mich angesprochen, ob ich nicht mal Interesse hätte an einer stillen Stunde. Und dann habe ich mir das überlegt und hab's einfach mal auf donnerstagsnachmittags gesetzt, wo das vom Handling her der ruhigste Tag ist in der Woche, nachmittags, da kommen keine Lieferungen und so. Und das Feedback war so stark, dass wir gesagt Wir bauen das aus. Wir machen jetzt mittlerweile ab donnerstags mittags 14 Uhr bis sonntags stille Stunde.

00:10:10: Corinna Das hat sich bewährt, oder?

00:10:12: Gerhard Surges Ja, auf jeden Fall.

00:10:13: Corinna Hoffentlich hören das auch viele andere Einzelhändler, weil manchmal denkt auf den ersten Blick erschließt sich das nicht so richtig. Aber ganz ehrlich, mir persönlich geht es auch so. Ich habe es auch lieber, wenn es nicht dudelt überall, sondern wenn man einfach in Ruhe seinen Einkauf machen kann.

00:10:28: Gerhard Surges Ist mir jetzt auch bewusst und auch klar geworden, weil wie gesagt, man hat sich da nie einen Kopf drüber gemacht. Ist die Musik zu laut oder stört die? Das war für uns ganz normal, oder? Dass die Kassen so laut piepsen. Ich mein, wir müssen einen eingeschränkten Rahmen machen. Wir können zum Beispiel, weil die elektrische Anlage zu alt ist, wir können da also nicht runterfahren oder so, aber wir machen alles möglich, was möglich ist. Wir versuchen so leise wie möglich im Laden zu arbeiten. Die Kassen piepsen ganz ganz leise nur noch und muss ich es aus.

00:11:06: Alf Das ist mir auch passend. Das ist also ausgesprochen angenehm, wenn man in manchen Märkten drin ist, da sind die Kassen halt sehr, sehr laut. Das ist ja nicht nur für die, die an der Kasse sitzen, ein Riesenproblem, sondern es kann auch sehr störend sein für die Einkäuferinnen und Einkäufer Im Prinzip

00:11:24: Gerhard Surges schon, aber die Kasse kann ja jede Kassiererin sich selbst laut oder leiser stellen. Aber viele Kassiererinnen, die brauchen das, damit sie Höhenart hat sich was getan, weil viele einfach nicht immer den Blick auf der Kasse.

00:11:39: Alf Das hat natürlich auch mit dem Umgebungslärm sicher zu tun. Hier ist es jetzt abgesehen von der Kühlung, die schon laut ist, ist es ja eigentlich sehr leise hier.

00:11:48: Corinna Ist total angenehm. Aber was ich mich gefragt Freust du dich, wenn abends die Kasse klingelt?

00:11:56: Gerhard Surges Wer freut sich da nicht? Wer freut sich da nicht, wenn die Kasse abends klingelt, aber durch den Mitbewerb klingelt sie nicht mehr so stark wie vor zwei Jahren?

00:12:08: Corinna Erzähl doch mal, wie ist denn das hier so drumherum? Wo gehen die Leute einkaufen? Kommen alle aus Mitte Gartenfeld hier in den Nahkauf oder habt ihr stark Konkurrenz?

00:12:17: Gerhard Surges Nein, wir haben ja sehr viel Konkurrenz. Wir haben um die Ecke rum ist der Kaufland nicht weit in der Innenstadt die DM Märkte, 300 Meter weiter ist der große Rewe, dann ist gleich noch der Edeka da. Die Leute verteilen sich schon. Die laufen sogar zu meinem Kollegen Philly, wenn sie in der Stadt sind.

00:12:42: Alf Aber der hat einen recht kleinen Einzugsbereich. Der hat also nur die Innenstadt.

00:12:48: Corinna Der ist neben dem Karl Marx Haus bei uns hier.

00:12:50: Gerhard Surges Der hat viel Laufkundschaft und sehr viele Touristen und viele Touristen und viele Leute, die da in der Stadt waren, da mit dem Bus wegfahren, die dann auch schnell da rein ihr Abendessen holen.

00:13:03: Alf Er hat auch nicht das Sortiment.

00:13:07: Gerhard Surges Ich glaube, er hat weniger Sortiment wie wir. Wir haben nach der letzten Inventur knapp Artikel in diesem kleinen Markt.

00:13:18: Corinna Wie viel Quadratmeter hat der Markt eigentlich? 400 und wie groß ist so ein großer Rewe? Damit wir mal so einen Vergleich haben

00:13:27: Gerhard Surges zwischen zwei und zweieinhalb tausend Quadratmeter haben im Schnitt zwischen und Artikel. Also bin ich mit meinen 400 Quadratmetern gar nicht so schlecht bei Artikeln.

00:13:38: Corinna Und ich meine, hier passt alles rein. Also man braucht im Prinzip keine anderen Markt. Also man fragt was fehlt hier eigentlich

00:13:45: Gerhard Surges nichts, Oder wenn ich nicht unbedingt auf irgendeine Marke festgefahren bin, findet man fast alles hier.

00:13:51: Corinna Ja, ich habe gesehen, hinten ihr verkauft auch Briefmarken und sowas.

00:13:58: Gerhard Surges Die Leute haben also die Möglichkeit, sich ihr Pakete hier hinschicken zu lassen, auch hier abzuholen oder halt eben Pakete hier aufzugeben, wegzuschicken und Briefmarken auch zu kaufen. Das bieten wir auch an.

00:14:10: Corinna Wo mussten denn die Leute seit wann seid ihr auch Prost?

00:14:14: Gerhard Surges Oh, ich glaube seit zehn Jahren ungefähr. Ich weiß das gar nicht mehr. Ja, aber auch schon sehr lange.

00:14:20: Corinna Aber ich würde meinen, das hat für ältere Leute gerade auch Vorteile, die vielleicht noch mal eher einen Brief verschicken, dass sie nicht irgendwie zu Hause Hauptpost müssen. Gibt es die überhaupt noch? Also man weiß überhaupt nicht mehr.

00:14:30: Gerhard Surges Es gibt ja leider keine Hauptpost mehr. Es gibt ja nur noch diese Postfilialen.

00:14:34: Alf Es gibt auch eine in der Semiorenstrasse ist noch eine größere.

00:14:37: Gerhard Surges Ja, eine größere Filiale mit Postbank, aber die alten Leute müssten praktisch bis in die Semiorenstrasse laufen für solche Sachen.

00:14:49: Corinna Das ist schlimm, weil die Prost wirklich früher auch mal so ein Treffen, wie du sagst, was jetzt hier der Nahkauf eigentlich übernommen hat, vielleicht ein Stück weit.

00:14:59: Gerhard Surges Ja, übernommen. Ich bin jetzt an übernommen. Wir waren schon früher vorhand.

00:15:05: Corinna Das ist der älteste Nahkauf hier in der Stadt.

00:15:10: Gerhard Surges Die genaue Zahl weiß ich nicht, aber entweder der in der Brückenstraße oder sind die ältesten Lebensmittelgeschäfte in Trier.

00:15:19: Corinna Boah, Wahnsinn.

00:15:21: Alf Ich kann mich, ich bin als Bewohner der Innenstadt natürlich schon früher richtig angepisst gewesen, weil es überhaupt keine Läden. Es gab eine Zeit lang in der Innenstadt gar nichts. Da wusste man immer, man war einfach in den er bis in die Nullerjahre war man darauf angewiesen auf irgendeinen Supermarkt außerhalb fahren. Jetzt hat sich doch eine Menge in der Innenstadt schon getan. Es gibt ein Rewe in der Seneonstrasse, ist ja die gleiche Gruppe, Dann gibt es noch einen in der Triergalerie, in der Galerie unten. Also wir haben schon gerade im Inneren weicher Stadt mehr Möglichkeiten. Auch für die Nahkunden. Nicht beim Naghaus, sondern auch bei dem.

00:16:02: Gerhard Surges In den letzten Jahren hat sich da wieder viel getan. Wenn ich überlege, so 86 war ich ja auch noch bei der Rewe 6 N hat die Rewe die ganzen Märkte in Trier von der Deko damals übernommen. Deko war eine kleinere mittelständische Lebensmittelkette. Die hatten so 50, 60 Märkte. Ich weiß es nicht ganz. Genau, ne, bis ins Saarland runter. Bernkastel war zum Beispiel einer, Saarburg war noch Konz, Bitburg und die wurden dann übernommen 86 von der Rewe. Die Rewe hat, da bin ich 86 mit ins Bauteam. Da haben wir alle Märkte umgebaut. In Trier gab es allein zwölf Kaufmärkte und davon gibt es heute leider nur noch zwei. Und da waren noch welche in der Innenstadt. Da gab es noch einen in der Seniorenstrasse. Brückenstraße ist ja heute noch da. Hier am Bahnhof gab es noch einen und waren zwölf Stück in Trier.

00:17:09: Alf Wann fing die Konzentration außerhalb der Innenstädte an? Und die würden immer größer, immer größer und immer bequemer, muss man sagen.

00:17:20: Gerhard Surges Da kam diese Nachfrage nach nur großen Märkten. Die kleinen wurden gar nicht mehr berücksichtigt, als ich mich 2004 selbstständig machte. Hier habe ich den Markt nur bekommen, weil ich vorher bei der Rewe schon mal gearbeitet habe, weil die mich gekannt haben und gesagt Wenn einer schafft es sehr. Und hab mich aber auch noch bei einer anderen großen Lebensmittelkette erkundigt. Da habe ich zur Antwort, da wurde mir die Frage Wie groß ist der Markt? Sagte ich 400 Quadratmeter haben wir kein Interesse zu kleiden. Ob der Umsatz macht oder kein Interesse Umsatz macht, hat die gar nicht interessiert. Die haben alle kleinen Märkte damals kaputt gemacht, alle zugemacht. Die Rewe war mal in die Richtung, hat aber schnell erkannt, dass das der falsche Weg ist und hat dann diese Nachkaufschiene mit aufgenommen. Nahkauf sind ja alles selbstständige Kaufleute. Moin, guten Morgen. Moin. Jupp, sind ja alle selbstständigen Kaufleute komplett selbstständig. Wir sind der REWE angeschlossen, sind also eine Untergruppe bei der Rewe heute und sind auch sehr froh darüber, weil dadurch können wir natürlich auch diese Preisgestaltung machen.

00:18:38: Corinna Was bedeutet das mit der Preisgestaltung?

00:18:41: Gerhard Surges Dass wir heute Preise machen, wo wir wettbewerbsfähig sind. Wenn ich mich als Selbstständiger irgendwo mit Ware versorgen müsste, könnte ich diese Preise gar nicht halten, dann wäre ich zu teuer und dann kämen die Leute auch nicht, wenn man zu weit auseinander ist. Und so sind bei uns die Preise alle wie in jedem größeren Supermarkt, ob Edeka, Rewe oder egal wie sie heißen, haben wir die gleichen Preise und alle, alle Jahrartikel, die sie im Nahkauf finden, sind gleichgestellt mit dem Discounter. Das heißt Also wir haben die gleichen Preise wie ein Discounter, auch den Senf, wo wir gerade drauf schauen, kostet im aldi dann auch 59 Cent.

00:19:30: Corinna Ist günstig, ne? Also hier gibt es günstige Ware.

00:19:34: Alf Also nur mal zur Erläuterung. REWE wissen ja die wenigsten, ist eigentlich der Revisionsverband der Westkaufgenossenschaft, kommt aus Köln

00:19:44: Gerhard Surges oder aus Düsseldorf, Kölner Raum.

00:19:47: Alf Und der Zweck der REWE war ursprünglich und wird es wahrscheinlich heute noch sein, die Förderung des Geschäfts selbstständiger Kaufleute durch gemeinschaftliches Einkaufen. Das war die ursprüngliche Idee, war eine tolle Idee.

00:20:01: Gerhard Surges Jeder ist die Genossenschaft, wir sind ja immer noch eine Genossenschaft und das sind unsere Vorteile dadurch geführt von einem Franzosen, kann das sein? Ja, ist ein Franzose davor war auch ein Franzose, der hat es dann abgegeben an seinen Kompagnon. Die machen das ganz gut, die Jungs, die sind auch international überall tätig, hat

00:20:27: Alf allein 6000 Märkte in Deutschland und entsprechend auch große anzahl im Ausland, 450

00:20:38: Gerhard Surges fast, leider ein bisschen weniger geworden, 416, wir waren mal fast 500 und sind alle so stark, weil wir einen Standpartner Brücken haben. Die Rewe, die uns da schon unterstützt überhaupt mit dem ganzen technischen Know how, technischen Know how, auch die ganzen anderen Sachen, wie wenn Ware ein Rückruf ist, das würde ich als ganz kleiner Einzelhändler vielleicht nur durch Zufall erfahren durch die Presse oder so. Bei der Rewe kommt, wenn mal irgendwas ist, sofort eine Meldung, die wir auch sofort bearbeiten müssen. Das sind die ganzen Hintergründe, die da noch mitspielen.

00:21:28: Alf Das ist wahrscheinlich ganz ähnlich auch bei der Edeka.

00:21:30: Gerhard Surges Ja, ja, ist da gleich klar, weil

00:21:32: Alf wir die ganze Zeit über Rewe reden, denke ich mal.

00:21:34: Corinna Edeka, wir können auch über Edeka reden,

00:21:38: Gerhard Surges da kenne ich mich nicht ganz so gut aus.

00:21:40: Corinna Aber ich war neulich, war ich in Düsseldorf, habe ich vorhin erzählt, bei David Hegemann und der ist ja so jemand, der ganz viel Social Media mäßig unterwegs ist, viel Öffentlichkeitsarbeit macht. Das ist auch jemand, da kommen wir nachher noch dazu, der inklusiv beschäftigt. Sind denn die Rewe-Genossen auch untereinander vernetzt. Und lernen voneinander?

00:22:01: Gerhard Surges Ja, ja, sicher. Wir sind meistens viele in WhatsApp Gruppen, in Instagram, egal wie die ganzen Social Media Kanäle heißen, alle irgendwo vernetzt oder miteinander zusammen und befreundet und wie sich das alles nennt. Mit dem David Häkemann, dem folge ich unwahrscheinlich, weil ich finde den jungen Mann sehr, sehr gut und klasse. Jetzt wurde er vor 14 Tagen, wurde er noch, jetzt habe ich den Namen vergessen, Händler des Jahres und lauter so Sachen. Und der ist auch sehr, sehr stark, grad in puncto stille Stunde und Integration. Da wurde er sogar letztes Jahr für gewürdigt, da hat er auch einen Preis bekommen. Ich finde den jungen Mann schon sehr, sehr toll.

00:23:00: Corinna Und Rewe, also ich mache jetzt auch mal Werbung für Rewe. Die machen nämlich unheimlich viel im Bereich inklusive Beschäftigung. In Düsseldorf waren zwei Leute dabei, die professionell daran arbeiten, Rewe Märkte dabei zu begleiten oder Nahkaufmärkte. Und das bietet sich natürlich in so einem Rahmen auch an, wo man eher ein Stammpublikum hat, die Nachbarschaft vorbeikommt, der Laden vielleicht nicht so groß ist, nicht so laut ist, wo Leute, die andere Bedürfnisse haben, auch einen tollen Arbeitsplatz finden können. Und das gelingt immer häufiger. Also die Entwicklung ist nicht überall nur negativ, Gott sei Dank, sondern manches geht echt auch voran.

00:23:38: Gerhard Surges Schreibe ich mir auch auf die Fahne, dass ich da ein bisschen mitgewirkt habe, dass einige Leute heute anders denken durch meinen jungen Mitarbeiter, den ich vor drei Jahren, drei Jahre ist er schon da, eingestellt habe, wo ich auch noch nicht wusste, wo die Reise hingeht, aber bin zufrieden damit. Und das habe ich natürlich auch immer wieder kundgetan. Leute, macht das. Nehmt die Unterstützung von diesen jungen Menschen, die sind sehr dankbar und helfen, wo es nur geht und vielleicht nicht in dem Tempo, wie man sich das manchmal vorstellt, aber das macht nichts. Sie machen ihre Arbeit auch sehr, sehr gut.

00:24:20: Corinna Toll, das ist total super. Jetzt haben wir über ganz viel Positives geredet. Alf jetzt wollen wir mal hören, wo sind denn die Punkte, wo es drückt.

00:24:32: Alf Ich hätte noch gern was Positives dazwischen.

00:24:34: Corinna Alf möchte was Positives sagen.

00:24:36: Alf Also ich finde ganz toll, dass die Rewe Nahkaufgruppe sich bei Ein Herz für Kinder so stark engagiert. Ich bin zwar jetzt kein Freund der Bild Zeitung, aber Ein Herz für Kinder ist wirklich eine großartige Geschichte.

00:24:47: Gerhard Surges Und im letzten Jahr Euro, wir sind jetzt seit 12, 13 Jahren, nageln Sie mich nicht fest, ich glaube 12 oder 13 Jahre dabei, haben in diesen Jahren 5 Millionen Euro gesammelt, gespendet. Die meisten Nahkaufmärkte machen damit. Kann nicht jeder, weil er nicht die Möglichkeit hat, irgendein Fässchen zu machen oder oder. Aber die, die die Möglichkeit haben, machen immer was und tun was. Wir haben zum Beispiel meine Frau, die hat Langeweile gehabt, die Hanne, die will

00:25:24: Corinna nicht reden, die steht da hinten, aber die kriegt das ja alles mit.

00:25:32: Gerhard Surges Da waren wir Steine sammeln am Gewässerrand und die hat sie dann bemalt und die haben wir vorne ausgelegt und da konnte dann jeder sich Steine mitnehmen, wie er wollte, hat dafür was in die Spendenbox geworfen oder Waffelbacken Und dann habe ich auch so paar Kurse, Events gemacht. Einmal habe ich den ganzen Viehmarkt gemietet mit Bühne, die Gladiators waren da, alles mögliche wurde geboten und der ganz Erlös ist natürlich dann an Herz für Kinder gegangen oder die Cornhole-Meisterschaften hier in Trier. In der Halle, in der Mehrzweckhalle, ne, drüben auf der anderen Mosepark in der Messeparkhalle habe ich die Messeparkhalle gemietet und dann haben wir da ein Kornholturnier gemacht mit Trierer Sängern, die da auch vertreten sind und und da haben wir ein paar tausend Euro gesammelt und dadurch ungespendet. Und für mich das schönste und herzergreifendste war, wir wollten mal den größten Kinderchor von Trier zusammensuchen. Ich habe sämtliche Kindergärten und Grundschulen in Trier angeschrieben, hatte einen Liedtext von einer Musikerin, die das Lied geschrieben hat und zwar heißt das Ein Herz wie Kinder wollte das auch gern haben, dass das für ein Herz für Kinder kommt, aber das kam nicht durch. Ich durfte diesen Text und diese Melodie verwenden und hab's dann geschafft an einem Tag am Weltkindertag war das 100 Kinder zusammenzubringen auf dem Haupt, die sich vorher nie gesehen haben, die dann kamen und haben das Lied auf dem Hauptmarkt präsentiert und da kriege ich heute immer noch ein bisschen Pipi in den Augen.

00:27:43: Corinna Ich auch gerade. Gut, dass man das nicht sehen kann.

00:27:46: Alf Du wolltest schon nur die negativen, Ich

00:27:49: Corinna wollte schon wieder den Bogen machen, aber das gehört irgendwie dazu, oder Wenn man Genosse ist beim Rewe und mit den Leuten so viel zu tun, irgendwie hört sich das so an, als könnte sich das gut verbinden.

00:28:03: Gerhard Surges Großen Märkte machen nicht alle sowas, das sind die kleineren, die Nahkaufmärkte sind da schon eher oder man heißt Hegemann oder irgendwann in Köln, wobei der auch kleine,

00:28:13: Corinna also das Ladenlokal, wo ich war, war wirklich wirklich klein.

00:28:19: Gerhard Surges Ja, aber wie gesagt, er hat fünf

00:28:20: Alf Stück,

00:28:23: Gerhard Surges er macht aber sehr, sehr viel.

00:28:24: Alf Wir wollen nachher auch noch über über das ganze Umfeld hier sprechen. Aber wir sollten jetzt auch mal darüber sprechen, was ihn drückt, wo der Schuh drückt, denn das haben wir nachher ganz vergessen.

00:28:36: Corinna Aber vielleicht drückt er ja gar nicht. Wir hören mal rein.

00:28:40: Gerhard Surges Es drückt leider Gottes einen ganz schweren Schuh. Und zwar ist es ja bekannt, dass ich im Mai 27 läuft mein Vertrag aus. Ich ich bin zu alt für noch zu verlängern und ich hatte auch schon einen Nachfolger dafür, der aber abgesprungen ist, weil 300 Meter weiter ein Rewe aufgemacht hat. Ein großer Supermarkt mit zweieinhalbtausend Quadratmetern, der uns schon ganz kräftig wehtut, weil er mir die ganze Kundschaft, die von Richtung Güterstrasse Kürens hier rüberkamen, alle abhält. Kann ich auch verstehen, ist normal. Warum Sollen die Leute 300 Meter weiter, 400 Meter weiterlaufen, wenn sie das Gleiche bekommen wie hier auch? Und dann kurz davor, zwei Jahre davor, wurde ja die Bergstraße als Einbahnstraße gemacht. Dadurch hat man mir die ganzen Kunden von Petricsberg abgeschnitten. Da hatte ich sehr viele, die früher hier vorbeigefahren sind, haben hier eingekauft, die heute natürlich nicht mehr kommen, weil sie mit dem Auto dadurch ganz andere Wege fahren müssen und hier nicht mehr vorbeikommen. Das sind so die Hauptkriterien, die einem da das Leben schon schwer machen.

00:30:04: Corinna Und wie gehst du damit um im Moment?

00:30:09: Gerhard Surges Ich muss es schlucken, ist leider Gottes so. Ich kämpfe für jeden Kunden und versuche alle Leute noch zu behalten, aber ich kann keine mehr setzen, Wenn jemand aber auch schon allein bin. Ich kann jetzt für ein Jahr nicht noch mal jemanden einstellen.

00:30:30: Corinna Aber wir haben ja hier viele Leute, die sehr, sehr lange davon profitiert haben, dass der Laden hier bestanden hat. Ist denen das klar? Ist denen das klar, dass ihr Druck habt hier in dem Neu?

00:30:42: Gerhard Surges Ich weiß es nicht. Schätze mal. Ja, aber keine Ahnung. Nur man kann es den Leuten ja auch nicht verdenken. Wenn sie heute Getränke kaufen müssen und brauchen zwei, drei Kisten hier kriegen sie keinen Parkplatz, dann fahren sie vorbei und fahren in den Rewe. Da können sie bis an ein Tor fahren. Wie gesagt, das ist halt eben der Lauf der Dinge. Das ist leider Gottes so. Der einzige, da hätte was dagegen machen können, wäre der Stadtrat gewesen oder die Stadt überhaupt. Aber die haben ja gemeint, Kyrens hat keine Einkaufsmöglichkeiten, weil ja die Märkte die vorher da waren, 50 Meter weiter, waren aber dadurch in Trier Nord und in den Kyrens,

00:31:28: Alf du meinst jetzt den Edeka

00:31:30: Gerhard Surges Haubenthal, den Haubental zum Beispiel ist ja Nord und nicht Kürens, der ist umgebaut. Dann gibt es den Netto, dann gibt es den Rewe im Wasserweg, gab zu dem Zeitpunkt 16 große Märkte in Trier Nord, Trier Nord, Trier Kürens und Trier Ost. Die drei Stadtteile zusammengenommen hatten 16 große Märcte inklusive Discounter und musste noch 1017 daher unbedingt, obwohl man von oberer Stelle gesagt hat, ja den Nachkauf, ihr werdet nicht betroffen sein davon. Ich habe es damals schon gesagt und hat auch recht, dass es so kommt, wie es ist.

00:32:27: Corinna Jetzt würde mich mal interessieren, hat hier jemand auf dem Schirm, wie viele Leute in Mitte Gartenfeld leben?

00:32:34: Alf Alfa ist sowas immer, also im Gartenfeld rund dreieinhalb bis viertausend und etwa in der Mitte.

00:32:41: Corinna Genau, also hier dreieinhalb bis in diesen

00:32:45: Gerhard Surges drei Stadtteilen, die ich gerade genannt hatte, waren vor zehn Jahren Personen.

00:32:51: Alf Da war K. Mit dabei, da war

00:32:53: Gerhard Surges Kürns mit dabei, ohne den Petrusberg bis zum Petrisberg, um bis da umhin waren Personen und die Zahlen hatte ich von der Stadt. Ich hoffe, dass die gestimmt haben, das hoffen wir auch.

00:33:11: Alf Auf dem Beteswein ist natürlich starker Zuwachs, da ist der Warsgau Markt und es ist ein Lidl oben, ich weiß nicht,

00:33:18: Gerhard Surges ob da noch ein Aldi.

00:33:20: Alf Der Edeka ist auch da, der ist dann im Taforst oben, der ist Taforst.

00:33:27: Gerhard Surges Aber wenn ich mal sehe, gerade mein Graben, da wohnen so viele alte Menschen. Ich weiß, mir beliefern ja auch einige da oben, wenn ich mir vorstelle, wenn ich mit 70, 75 kann nicht mehr richtig laufen und soll, gibt ja auch Ausnahmen, aber es soll dann vom Weidegraben bis zum Basgau laufen oder bis zum Edeka laufen, da bin ich schon einen halben Tag unterwegs.

00:33:55: Corinna Also jetzt habe ich gerade rausgehört, ihr

00:33:58: Gerhard Surges beliefert Leute auch wir haben einen Heimservice Seit, wie gesagt 22 Jahren, aber nicht nach dem Motto, wie es heut läuft. Die Leute müssen im Internet bestellen, bekommen dann irgendwann einen Termin genannt, wann beliefert wird. Wir haben zwei feste Tage, wo wir liefern, Donnerstags und freitags. Freitags liefern wir hauptsächlich hier Kürens und Trier Ost und donnerstags den Rest der Stadt, sag ich mal. Das sind Im Schnitt so 60, 70 Kunden jedes Wochenende, die von uns beliefert werden. Die Leute rufen einen Tag vorher an, geben ihre Bestellung auf, schwätzen noch ein bisschen mit uns, weil die soziale Armut ist da schon schlimm. Viele Menschen, die ganz allein sind, die die ganze Woche keinen haben, mit dem sie mal reden können oder sich mal ein bisschen austauschen können, die freuen sich auch. Also wenn unser Fahrer dann kommt, die Ware, bringt noch ein Blau Schält und da sind die recht glücklich drüber. Und deswegen machen wir so, dass wir nur am Telefon machen oder die Leute kommen hier rein und geben Bestellung ab. Das geht auch, aber wir halten uns da vom Internet weg, ganz einfach.

00:35:19: Corinna Und ich glaube, das ist auch total gut. Also es gibt Leute, die haben kein Problem damit, im Internet zu bestellen, aber für viele ist so ein Telefon einfach wertvoll Und der soziale Kontakt ist natürlich auch nochmal ein anderer. Danke, dass ihr das macht.

00:35:33: Alf Ja, ich hätte ein paar Fragen noch zum Umfeld. Ich würde gerne auf das Forum Gartenfeld noch zu sprechen kommen, da bist du ja auch mit drin. Agritius wird wahrscheinlich doch neues Umfeld bekommen, wird viel dran gearbeitet. Ich weiß nicht, wie weit jetzt die Planungen da schon sind.

00:35:51: Corinna Was ist Agritius? ALF, das wissen unsere Hörer nicht.

00:35:54: Gerhard Surges Die alte Pfarrei, die alte Pfarrei hier, Stakius, also Entschuldigung, ich bin, Sagt man

00:36:03: Alf so, Agius ist profaniert, die Kirche existiert nicht mehr als Kirche. Ihr seid jetzt die Frauen, die Frauen und und St. Gangolf Seide Innenstadt, gibt keine eigene Pfarrei mehr hier und deswegen wird das Umfeld auch ein bisschen verändert werden. Neben euch gibt es ja noch so ein paar kleinere, die auch Anlaufpunkt sind. Also nicht Lebensmittelgeschäfte, sondern Places to be, würde man so schön sagen.

00:36:32: Gerhard Surges Direkt hier mein Kompagnon hier nebendran, der Bali mit seinem italienischen italienischer Feinkost und wir verstehen uns auch sehr gut und wollen uns auch nicht gegenseitig auf die Füße treten. Ich versuche so wenig wie möglich italienische Sachen hier reinzuholen, weil er da ist und er kommt mir nicht ins Gehege. Im Gegenteil, wir sprechen dann noch mal darüber und haben auch schon ein Festchen zusammen gemacht und und und. Aber leider Gottes, der Alltag ermöglicht uns nicht immer, dass wir jeden Tag schwätzen können.

00:37:12: Corinna Total schade, oder? Dabei ist es das Beste im Leben.

00:37:16: Gerhard Surges Ich mache ja darauf, dass die Sonne wiederkommt. Da kann man beim Bali Kaffee trinken vor der Tür.

00:37:20: Alf Ja, das ist sehr beliebt. Das ist sehr beliebt. Ich habe einen Artikel in der Trierischen Zeitung, im Trierischen Volkshorn gelesen, Da ging es also darum, da war der Steff Becker dabei, die Marion Pomer kennen wir ja auch.

00:37:39: Gerhard Surges Sehr schön.

00:37:41: Corinna Du wolltest noch Was macht denn das Forum Gartenfeld? Das müssen wir, glaube ich, auch noch einmal kurz sagen.

00:37:48: Gerhard Surges Ich hoffe, dass ich jetzt nichts Falsches sage, aber das Forum Gartenfeld hat sich vor zwei oder drei Jahren gebildet und zwar möchten die das Gartenfeld verschönern. Das sind so Pläne mit einer Insel mit Parkcharakter und paar Sitzbänke und solche Geschichten, den Verkehr zu beruhigen, der hier herrscht. Die sind an und für sich ganz, ganz rege, machen ja zweimal Jahr ein Fest. Die hatten jetzt vor Wintergrillen, das war im Februar und dann machen sie meistens noch ein bisschen späteres Sommer noch ein Grillfest.

00:38:39: Corinna Toll. Also es läuft hier richtig was in dem Stadtteil. Ja, sehr schön.

00:38:46: Gerhard Surges Nur ein weiter Weg und wahrscheinlich auch ein schwieriger Weg, die ganzen Sachen so durchzusetzen oder da überhaupt finanzieren zu können, was man sich da vorstellt. Ich hoffe, dass es gelingt. Wird natürlich nicht heute Morgen sein, das wird ein paar Jahre dauern.

00:39:02: Corinna Ja, aber machst du dir Sorgen über den Übergang offensichtlich. Also was deine Prognose? Also der Laden darf nicht sterben, so viel ist klar. Was muss man tun, damit der erhalten bleibt?

00:39:15: Gerhard Surges Die Problematik liegt ja auch daran, als erstes müsste mal der Laden modernisiert werden, der bräuchte neue Elektrik, neue Decken, neue Führungsböden und und und. Dann bräuchte der Markt einen Betreiber. Findet man einen jungen Mann, der heute oder ein junges Paar, das heißt bereit ist, 14, 15 Stunden am Tag zu arbeiten, vielleicht die ersten zwei, drei Jahre so gut wie nichts zu verdienen und weiß nicht, wo es hingeht. Das ist die Problematik. Und das ist sehr, sehr schwer, weil die REWE wird unter diesem Gesichtspunkt, wie der Markt sich heute darstellt, nicht mehr weitermachen und die werden auch keinen, keinen Nachfolger finden. Das kommt noch hinzu.

00:40:08: Corinna Und trotzdem habe ich Leute gehört, da kann man jetzt nicht näher drüber reden, aber es gibt ein paar Leute, die sich schon Gedanken darüber machen, ob es gute Konzeptionen geben könnte für den Standort. Also ihr habt das nicht aufgegeben?

00:40:21: Gerhard Surges Nein, aufgegeben auf keinen Fall. Aufgeben tun wir frühestens am 31. Mai 2027, wenn da 14 Monate, in 14 Monaten, da geben wir frühestens auf Wenn die Ideen, die da im Moment aufgeblüht sind, finde ich gar nicht mal so schlecht, wenn man das umsetzen kann. Ja, wär schön.

00:40:45: Corinna Wir dürfen jetzt noch nichts darüber sagen, aber alle, die das hören, dürfen Hoffnung haben, dass es den Nahkauf von Familie Sorges hier weiterhin geben wird. Und wir werden da auf jeden Fall ein Auge drauf haben. Es gibt die Hanne, die steht jetzt direkt neben uns, Das ist total wunderbar. Und wir wollten eine Sache gerne machen. Wir wollten den Leon einmal kennenlernen. Vielleicht kannst du drei Sätze schon mal, bevor wir in den Getränkebereich gehen, sagen.

00:41:19: Gerhard Surges Ja, Leon, wie gesagt, Adrian ist zu uns gekommen durch eine Mitarbeiterin von Autismus, die hier Kundin ist, die mich angesprochen hat. Und ich habe da einen jungen Mann, der ist ganz lieb und nett, der macht seine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann oder als Kaufmann im Einzelhandel, macht seine Prüfung, Muss aber leider Gottes danach gehen, weil weil der Laden die nicht übernehmen kann, weil zu viele Leute da sind, ob ich es denn nicht mal probieren wollte. Und da hab ich sicher, sollen wir vorbeikommen. Wir machen ein Praktikum miteinander und dann schauen wir, wie wir klarkommen miteinander. Wir kommen gut miteinander klar. Er hat also Autismus und wie heißt er eine andere Krankheit. Weiß jetzt nicht, ist auch egal.

00:42:13: Corinna Diagnosen zu Seifenblasen oder.

00:42:19: Gerhard Surges Dann habe ich da was Falsches.

00:42:21: Corinna Alles klar, jetzt gehen wir einmal durch den Gang. Leon, ich lauf dir hinterher. Wir kennen uns schon länger, deswegen duzen wir uns auch. Zeig doch mal, wo du arbeitest normalerweise. Jetzt gehen wir hier am Apfelmus vorbei, an dem reichhaltigen Nudelsortiment, den Weinen, dem Wasser, der Cola, den Säften und wir nähern uns, glaube ich, dem Getränkebereich.

00:42:49: Leon Basic Ja, das ist auch mein Lieblingsbereich.

00:42:51: Corinna Leon, erzähl mal, was machst du hier jeden Tag?

00:42:54: Leon Basic Also ich räume die Getränke ein, Man sieht es zwar momentan noch nicht, aber sobald kümmern wir uns auch um die Regale hier und schiebe alles vor, damit die Kunden, damit es schön aussehen kann und die Kunden es kaufen wollen und damit auch die Umsätze steigern, Wenn neue Getränke geliefert werden, dann bin ich auch dafür zuständig, dass die Getränke dann alles, wie soll ich sagen, schön in die Regale eingeräumt werden. Und ich bin auch zuständig hier für den für den Pfandautomaten und Wechsel und Reiniger ist auch immer die Container.

00:44:13: Corinna Gefällt dir deine Arbeit?

00:44:15: Leon Basic Mir gefällt meine Arbeit. Besonders Spaß macht es auch, mit Kunden zu reden, den Kunden zu helfen.

00:44:25: Gerhard Surges Und

00:44:28: Leon Basic wenn ein Kunde eine Frage hat, wo irgendwas steht, dann zeige ich den Kunden gern, wo das steht. Oder wir haben auch so einen Lieferservice. Ich helfe zum Beispiel meinen Kollegen auch sehr gerne, Kisten zu transportieren, Komme auch ganz gern her.

00:44:54: Corinna Toll. Und wie ist es mit Gerhard zur Arbeit? Mit Gerhard Soges.

00:44:58: Gerhard Surges Jetzt pass auf, was.

00:45:06: Leon Basic Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten.

00:45:09: Gerhard Surges Ja, ja.

00:45:14: Corinna Also darf ich mal was sagen dazu ganz kurz. Leon und ich haben, als ich das letzte Mal hier war, noch ein bisschen gesprochen und er hat gesagt, dass du Gerhard, ein großes Vorbild für ihn bist. Und das finde ich ist mal ein ganz tolles Lob.

00:45:29: Gerhard Surges Was ich noch dazu sagen muss, er kümmert sich nicht nur um die Getränke, er kümmert sich um die Backwaren. Er nimmt die Post an, gibt die Pakete raus. Er ist also schon ein kleines Allround Genie hier. Und ja, vor allen Dingen, er ist beliebt, nicht nur bei seinen Kollegen, sondern auch bei den Kunden. Die Kunden akzeptieren ihn voll und das finde ich toll.

00:45:53: Corinna Hat das die Atmosphäre ein bisschen verändert im Laden oder seid ihr dadurch vielleicht noch ein bisschen mehr ins Gespräch gekommen?

00:46:02: Gerhard Surges Anfangs? Ja, es war natürlich schwierig, weil wir alle noch Menschen mit Autismus zu tun hatten. Was muss man beachten? Muss man was beachten? Kann man ganz normal mit dem umgehen? Hört sich jetzt zwar alles blöd an, aber machen ja die Gedanken, die man hatte. Und dann haben wir auch miteinander gesprochen und haben Leon, schreib uns doch mal auf, was du nicht magst und was du magst. Und das hängt auch hinten im Lager an der Tür. Kann jeder lesen, was er will und was er nicht will. Und das funktioniert hat. Klappt. Heute ist das überhaupt kein Thema mehr. Für uns ist es Leon und kein Autist.

00:46:46: Corinna Das stimmt.

00:46:48: Leon Basic Also für mich war es auch, ich kann mich erinnern, wie ich angefangen habe. Das war für mich auch, wie soll ich sagen, ich wusste zwar vieles von der Ausbildung, aber es war, als würde wieder in einem neuen Gewässer. Und für mich war es auch am Anfang auch so eine Herausforderung für mich als Autist, wie es mit den Leuten auch umgehen soll, weil man muss ja auch jemanden erstmal kennenlernen, ganz im Betrieb. Aber mittlerweile ist es ein ganz normaler und fester Bestandteil von mir.

00:47:27: Corinna Also das heißt, du hast ja auch dann tatsächlich in diesem Sinne mit fremden Leuten umzugehen und einen guten Weg zu finden.

00:47:34: Leon Basic Ja, definitiv. Und auch generell, egal ob die Ausbildung damals oder jetzt als Verkäufer, konnte mich daraus viel weiterentwickeln und vor allem auch viel über mich lernen, über meine eigenen Fähigkeiten und auch lernen auch generell, wie ich mit meinem Autismus umgehen kann.

00:48:00: Corinna Wahnsinn. Alf, hast du was denkst du? Hast du noch was zu sagen?

00:48:06: Alf Ja, ich bin begeistert. Ich bin begeistert von Leon, der hier so lange rumsteht, einfach wo er eigentlich was tun sollte. Haben wir den hier mit geschlafen?

00:48:16: Corinna Wir halten ja alle von der Arbeit ab.

00:48:19: Alf Ich finde das ganz toll. Und was habt ihr denn sonst noch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Ich habe einige jetzt gesehen.

00:48:26: Gerhard Surges Wie viele Leute hast du? Ich habe insgesamt neun Leute, davon sind zwei Kurzzeitaushilfen und die restlichen sieben sind alle Vollzeitkräfte. Eine Verkäuferin ist noch Da, schon seit 22 Jahren, die ist von Anfang an dabei. An und für sich sind sie relativ alle sehr lange schon im Betrieb.

00:48:52: Corinna Das spricht für die Arbeitgeber.

00:48:55: Gerhard Surges Eine gewisse Fluktuation gibt es ja immer, aber die meisten wollen noch bleiben bis zum Schluss. Da haben wir ja offen drüber gesprochen, wie es aussieht, dass es im Mai nächsten Jahr soweit sein kann oder ist. Und alle bleiben sie. Und ich habe auch gesagt, ich werde mich darum kümmern, dass ich es auch alle unterbringe. Ist mein Ziel.

00:49:26: Corinna Und wir hoffen, dass es den Nahkauf hier weiterhin und dann brauchen wir uns alle keine Sorgen mehr machen. Und deshalb würde ich jetzt mal appellieren an alle, die hier in Mitte Gartenfeld, Das ist einfach ein wunderbarer Laden, wo nicht nur die Produkte stimmen, sondern eben auch die Chefs und die Chefin, die Hanne, die ja nichts sagen möchte. Der Leon hier glücklich arbeitet, sich total gut weiterentwickeln kann. Und das war ein super Beispiel dafür, wie es laufen könnte. Ich würde einfach einfach leben.

00:50:01: Gerhard Surges Unser Motto, unser Motto.

00:50:05: Corinna Vielen Dank. Bis bald.

00:50:21: Gerhard Surges Dieser Podcast wurde produziert von Thomas Schneider.

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